Leonardo malte nur sehr wenige Gemälde. Gleichzeitig hatte er stets Diener, Mägde, Schüler, Pferde und ging zahlreichen Tätigkeiten nach, die auf den ersten Blick kein Geld einbrachten. Da kommt die Frage auf, wie er seinen Werkstattbetrieb finanzieren konnte.
Einnahmen durch Lehrgebühren
Es war üblich, dass Malermeister Schüler aufnahmen und dafür eine Lehrgebühr von den Eltern erhielten. Die Höhe der Gebühr variierte mit dem sozialen Hintergrund des Schülers. In einigen Fällen verzichtete Leonardo auf die Gebühr. Zu der Ausbildung zählten nach damaligen Verständnis auch Hilfstätigkeiten in der Werkstatt, so dass Schüler nicht nur direkt durch Lehrgebühren die Kosten der Werkstatt senkten, sondern auch indirekt durch das Verrichten einfacher Hilfstätigkeiten. Leonardo hatte daher stets mehrere Schüler um sich.
Freie Kost und Logis
Die Künstlerwerkstätten waren nicht an einen festen Ort gebunden. Vielmehr waren sie ein mobiler Personenverbund. Waren die Aufträge weiter weg und konnten nur vor Ort ausgeführt werden. Bei Wandgemälden zum Beispiel war es üblich, dass die Auftraggeber für die Unterbringung und Verpflegung der Künstlerwerkstatt aufkamen. Als Leonardo beispielsweise den Karton zur Anna Selbdritt anfertigte, stellten die Mönche des Florentiner Servitenordens Kost und Logis für ihn und die Mitglieder seiner Werkstatt.
Vielfältige Werkstattaufträge - Leonardos Arbeitsaufgaben
Haupteinnahmequelle der Künstlerwerkstätten waren sicherlich die zahlreichen Werkstattaufträge. Gemälde waren die neue Mode der Zeit und beliebte und teuer bezahlte Statussymbole der reichen Oberschicht. Auch Skulpturen waren sehr beliebt. Doch waren das nicht die einzigen Arten von Aufträgen. Künstler der Renaissance verstanden sich als universale Talente. Das gilt nicht nur für Leonardo, sondern für alle Künstler dieser Zeit. Sie malten, musizierten, dichteten, unterhielten, organisierten höfische Feste, entwarfen Gebäude und Maschinen und manchmal war auch nur ihr Rat oder Forschen zu allerlei Dingen gefragt. Demnach übte Leonardo nicht nur einen sondern gleich mehrere Berufe aus.
Hofkünstler
- Porträts und Gemälde für die Hofgesellschaft (z.B. waren "Die Dame mit dem Hermelin", "La Belle Ferroniere" und "Das letzte Abendmahl" Aufträge des Mailänder Herzogs)
- Anfertigen von Statuen und Standbildern
- künstlerischer Leiter der höfischen Feste, unterhaltsame Spezialeffekte allerlei Art, Entwerfen fantasievoller Verkleidungen und Bühnenbilder
- Entwurf von Springbrunnen
- Konstruktion von Hebebühnen für Theateraufführungen
- musikalische Unterhaltung der Gäste: Leonardo spielte diverse Instrumente, die er teilweise selber baute und sang wohlklingend dazu, er war bekannt dafür gut improvisieren zu können
- Erheiterung der Gesellschaft durch interessante Rätsel und lehrreiche Geschichten
- Sonderanfertigungen: ein mechanischen Roboterritter, der von alleine laufen konnte; ein Automobil, dass von alleine fahren konnte, indem es wie ein überdimensionales Aufziehauto von einer mechanischen Zugfeder angetrieben wurde; anlässlich eines Besuchs des französischen Königs wurde ein mechanischer Löwe angefertigt, der über eine Aufziehmechanik ein paar Schritte laufen und sein Maul aufreißen konnte
Architekt
- Unterstützung bei allen Angelegenheiten des Städtebaus
- Betreuung von Bauprojekten, z.B. Um- oder Neubau von Villen, Palästen und Kirchen
- Ausbau der Kanalisation
- Entwässerungsprojekte
- Vermessungsprojekte, Erstellen von Landkarten
- Ausarbeiten von Plänen für Festungsbauten
Ingenieur
- Entwurf von Maschinen aller Art zur Arbeitserleichterung
- Entwürfe und Pläne für Kriegswaffen, Belagerungswaffen und mobile Brücken
Gelehrter
- Leonardo war Ansprechpartner und Berater des Hofes in allen Fragen der Wissenschaft
Das breite Spektrum an Aufträgen zeigt, dass Leonardo auf vielen Gebieten tätig war und das Anfertigen von Gemälden nur eine von vielen Aufgaben war.
Höfische Apanage
Mitglieder eines adeligen Hofes bekamen ein jährliches Grundgehalt zur Deckung ihrer Ausgaben, eine Apanage (frz. "Versorgung, Unterhalt"). Leonardo war größtenteils an solchen Höfen angestellt. Die Zahlungen erfolgten nicht immer regelmäßig und so sind Briefe Leonardos an den Herzog von Mailand erhalten, indem er ihn auffordert, die ausstehenden Zahlungen zu leisten. Einer beginnt so: "Durchlaucht, da ich noch den Lohn für zwei Jahre zu bekommen habe ...". Der Herzog von Mailand war für seine eiserne Haushaltsdisziplin bekannt.
Apanage in Mailand
Dennoch wurde Leonardo außerordentlich gut bezahlt. Er wurde einmal von einem ihn besuchenden Kardinal gefragt, welchen Lohn er vom Herzog bekomme. Leonardo erwiderte, er bekomme gewöhnlich zweitausend Dukaten im Jahr (7kg Gold), dazu zahlreiche Geschenke und Gaben, mit denen ihn der Herzog höchst freigiebig jeden Tag überschütte. So schenkte der Herzog 1499, kurz vor seiner Vertreibung durch die Franzosen, Leonardo einen Weinberg in der Nähe von Mailand.
Apanage in Amboise
Als Leonardo zum Schluss seiner Karriere am Hof des französischen Königs lebte, bekam er als "Maler, Ingenieur und Architekt des Königs" 1000 Golddukaten pro Jahr (3,5kg Gold), also nur noch die Hälfte des Gehalts in Mailand. Allerdings bekam der höchste königliche Beamte exakt dieselbe Summe. Die Höhe des Gehalts war also eine hofpolitische Entscheidung. Zusätzlich wurde Leonardo das Schloß Le Clos Lucé zur Verfügung gestellt, dass nur 500m entfernt war vom Königsschloß.
Immobilienbesitz
Leonardo besaß in seinen späteren Lebensjahren einige Immobilien, die ihm zusätzliche Einnahmen brachten.
Der Weinberg in Mailand
Leonardo war etwa ab 1487 für den Mailänder Herzog Ludovico Sforza tätig. Als Dank für langjährige Dienste schenkt der Herzog dem 47-jährigen Leonardo per Erlass vom 26.4.1499 einen Weinberg:
Ludovico Maria Sforza machte Leonardo da Vinci, dem hochberühmten Maler aus Florenz, 16 Ruten Boden [etwa eine Fläche von 80m × 80m] oder einen Weinberg zum Geschenk, den er vor kurzem vom Abt oder dem Kloster von San Vittore am Stadtrand, in der Nähe des Tores von Vercelli [im Westen von Mailand] erworben hatte, damit jener auf diesem Grund und Boden nach seinem Gutdünken bauen, Nutzgärten anlegen und alles, was ihm, seinen Nachkommen oder denjenigen, denen er das, was er oben bekommen, geben wird, tun oder verfügen kann.
Wenige Tage darauf eroberten die Franzosen Mailand und vertrieben den Herzog. Auf der Suche nach neuen Auftraggebern verließ Leonardo die Stadt im Herbst desselben Jahres und kehrte erst 1406 wieder nach Mailand zurück, um für die Franzosen zu arbeiten. Der Weinberg wurde in der Zwischenzeit von Leonardos Schüler Salai gepachtet, der dort seinen Vater wohnen ließ. Später ließ sich Salai ebenfalls dort nieder. In Leonardos Testament vermachte er den halben Weinberg Salai, die andere Hälfte ging an Leonardos Diener Vilanis.
Die Güter in Vinci
Es ist heute unklar, wieviel Land aus dem Familienbesitz der da Vincis an Leonardo ging. Als unehelicher Sohn wurde Leonardo vom Erbe seines Vaters ausgeschlossen, sein kinderloser Onkel väterlicherseits hingegen setzte ihn ausdrücklich als Alleinerben ein.
Die Güter in Vinci gehörten einst Leonardos Großvater Antonio. Er war zwar ausgebildeter Notar lebte aber auf dem Land und "tat nichts", wie es im damaligen Sprachgebrauch hieß, d.h. er verwaltete die Güter der Familie. Nach seinem Tod wurde der Besitz vermutlich unter seinen zwei Söhnen Ser Piero und Francesco aufgeteilt, da nun sowohl Francesco, als auch Ser Piero Land in und um Vinci besaßen. Leonardos Vater Ser Piero war der älteste Sohn und bekam möglicherweise einen größeren Anteil. Da er erfolgreicher Notar in Florenz war, brauchte er einen Verwalter vor Ort, der sich um die Güter in Vinci kümmerte. Möglicherweise übernahm das sein Bruder Francesco für ihn, denn der ging wie sein Vater zeitlebens keinen Beruf nach und "tat nichts". Das lässt darauf schließen, dass er genug Landbesitz hatte, um von den Erträgen leben zu können. Ein Leben als Taugenichts erscheint abwegig, da er seit 1465 mit Alessandra Amadori verheiratet war, der Schwester der jung verstorbenen ersten Ehefrau seines Bruders Ser Piero. Die da Vincis heirateten seit Generationen gezielt Frauen aus Florentiner Notarsfamilien. Die Ehe wäre aus Sicht der Brautfamilie vermutlich nicht zustande gekommen, wenn Francescos zukünftiges Auskommen im Ungewissen gelegen hätte.
Als Francesco 1507 kinderlos starb, sollte sein ganzer Besitz an seinen Alleinerben Leonardo gehen. Da Leonardo ein uneheliches Kind war und nach einem früheren Testament Francescos nur eheliche Kinder Ser Pieros erbberechtigt waren, kam es zu einem monatelangen Rechtstreit mit Leonardos Brüdern. Doch der französische König setzte sich bei der Stadtregierung von Florenz erfolgreich für Leonardo ein. Leonardo kam 1508 in den Besitz eines Teils der Familiengüter in Vinci, da war er 55 Jahre alt. Der Umfang dieses Erbes ist heute jedoch nicht genau zu ermitteln. Angesichts des aufwändigen Rechtsstreits muss es sich um eine stattliche Summe gehandelt haben, die auch für Leonardos Brüder bedeutend genug gewesen sein muss, obwohl sie teilweise selbst Notare geworden und somit recht wohlhabend gewesen sein müssen.
Der schiffbare Kanal von St. Christoph, Mailand
Mailand liegt nicht direkt an einem Fluss oder See. Um die Wasserversorgung der Metropole zu sichern, wurden im Mittelalter künstliche Kanäle angelegt (Navigli), die die Seen und Flüsse des Umlands mit der Stadt verbanden. Sie waren ebenso von großer wirtschaftlicher Bedeutung, denn einige der Kanäle waren breit genug, um auch von größeren Schiffen passiert werden zu können. Der größte dieser Kanäle, der "Naviglio Grande", verfügte über einen eigenen kleinen Hafen. Das Mailänder Kanalsystem ist in Teilen bis heute erhalten geblieben.
Um 1508 schenkte der französische König Leonardo den schiffbaren Kanal St. Christoph in Mailand. Das war damals ein sehr wertvolles Geschenk. Zum einen war damit das Recht verbunden, Gebühren auf die Entnahme von Trinkwasser zu erheben, zum anderen konnten Gebühren auf das Befahren des Gewässers erhoben werden. Die Schenkung verlief allerdings nicht reibungslos, denn es ist ein Brief Leonardos an den französischen Statthalter von Mailand erhalten, in dem er sich beschwert, dass ihm der Kanal noch immer nicht übertragen worden sei. Dass der Kanal schließlich auf Leonardo übertragen wurde, geht aus seinem Testament hervor, in dem Leonardo den Kanal seinem Diener Vilanis vererbt.