Bei der Dargestellten soll es sich um Ginevra de’ Benci handeln.
Reich geboren
Ginevra de’ Benci wurde 1457 in Florenz geboren. Über ihre Mutter ist nichts bekannt. Vermutlich ist sie noch im Kindbett gestorben.
Ginevra war väterlicherseits die Enkelin des schwerreichen Florentiner Bankiers Giovanni di Amerigo di Simone de' Benci (1394-1455). Er hatte sich innerhalb des Florentiner Geschäftsimperiums der Medici vom einfachen Buchhalter bis zum Partner des Firmen-Patriarchen Cosimo de 'Medici hochgearbeitet. Bei seinem Tod hinterließ Giovanni de' Benci seinem Sohn Amerigo das zweitgrößte Vermögen in Florenz, gleich nach dem der Medicis.
Ginevras Vater Amerigo Benci (1431-1474) trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und leitete von 1455 bis ca. 1463 die Medici-Bank in Genf. In diese Zeit fällt die Geburt Ginevras. Der italienische Name von Genf lautet Ginevra.
Amerigo Benci gab das Bankgeschäft bald auf und zog wieder nach Florenz, wo er eine Stelle als Prior annahm und sich seitdem als Kunstmäzen betätigte.
Die Familie ihres Mannes
Ginevras Vater starb 1474 mit nur 43 Jahren. Kurz danach verlobte sich die sechszehnjährige Ginevra mit dem 34-jährigen Kaufmann und Witwer Luigi di Bernado di Lapo Niccolini (*1440).
Die Niccolinis waren eine alteingesessene Florentiner Kaufmannsfamilie, die vor allem im Stoffhandel tätig war (Seidenhandel). Sie waren aber auch politisch aktiv. Aus der Familie gingen zahlreiche Mitglieder der einflussreichen Florentiner Stadtregierung hervor. Sie galten als Gefolgsleute der Medici.
Schön, klug und verehrt
Ginevra de' Benci war zum einen für ihre Dichtkunst bekannt, zum anderen war sie wegen ihrer Schönheit selbst Gegenstand von Gedichten und hatte viele Verehrer. Der legendäre Florentinische Staatsmann Lorenzo de' Medici (Der Prächtige) und sein Umfeld (Cristoforo Landino, Alessandro Braccesi) widmeten ihr einige Sonette.
Die Verehrung Bernardo Bembos
Auch der damals sehr bekannte venezianische Diplomat Bernardo Bembo zählte zu ihrem Verehrerkreis. Er war ab Januar 1475 in der Republik Florenz tätig. Bernardo war zu dem Zeitpunkt Anfang vierzig, verheiratet, hatte einen Sohn und eine Mätresse. Er hatte zuvor am deutschen Kaiserhof in Brügge als Diplomat gearbeitet. In Brügge befand sich auch eine der ausländischen Niederlassungen der Medici Bank.
Der vielgereiste Bernardo Bembo war ohne Zweifel ein Mann von Welt und muss auf die jugendliche Ginevra großen Eindruck gemacht haben. Als sie ihn kennenlernte, wurde er ihr platonischer Verehrer. Sie schrieben sich Briefe und tauschten Gedanken und Gedichte aus. Auch wenn es Gerüchte über eine Liebesbeziehung gab, wurde doch stets die Tugend der Ginevra gerühmt. Bernardo verließ Florenz nach eineinhalb Jahren im April 1476 und kehrte im Juli 1478 nochmals für zwei Jahre zurück, bis er die Stadt im Mai 1480 endgültig verließ.
Die vorgeblich platonische Beziehung der beiden war wohl Anlass für Klatsch und Tratsch, wie einem zeitgenössischen Gedicht des Florentiners Cristoforo Landino zu entnehmen ist.
Ginevras Rückzug
In einer Steuererklärung von 1480 spricht Ginevras Ehemann von den hohen Kosten, die eine längere Krankheit seiner Frau verursachte. Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs ist es möglich, dass ihr Leiden mit der Abreise von Bernardo Bembo im Zusammenhang stand. Sie soll sich nach überstandener Krankheit aufs Land zurückgezogen haben. Lorenzo de Medici widmete ihr später zwei Sonette, in denen er sie tröstet und bittet nicht zurückzublicken.
Nach 1480 sind keine Quellen bekannt, die Ginevra de' Benci als aktives Mitglied der Florentiner Gesellschaft erwähnen.
Tod und Nachkommen
Ginevra de' Benci starb 1520 im Alter von 63 Jahren. Ihr Ehemann Luigi di Bernado di Lapo Niccolini starb bereits 1505. Ihre Ehe blieb kinderlos.