Leonardo da Vinci – Alle Gemälde

Wieviele Gemälde malte Leonardo da Vinci?

Leonardo da Vinci vollendete vermutlich nur weniger als zehn Gemälde. Um 1900 wurden ihm noch an die 100 Gemälde zugeschrieben, heute sind es nur noch ca. 20. Und auch für viele der noch verbliebenden Gemälde ist die Echtheit hochumstritten. Von den vollendeten Gemälden Leonardos können ihm anhand der historischen Quellen und stilistisch nur fünf bzw. sieben Gemälde sicher zugeschrieben werden: Die Felsgrottenmadonna, Das Abendmahl, Anna Selbdritt, Mona Lisa und Johannes der Täufer. Auch wenn es vereinzelt Zweifel an der Echtheit gibt, werden die Dame mit dem Hermelin und die Belle Ferroniere mehrheitlich als Werke Leonardos angenommen.

Warum malte Leonardo nur so wenige Gemälde?

Leonardo da Vinci war kein hauptberuflicher Maler. Er war vielmehr ein Universalgelehrter und Ingenieur, der daneben auch für seine Malerei bekannt wurde. So war Leonardo stets mit anderweitigen Aufträgen beschäftigt und für die Malerei blieb ihm wenig Zeit. Wenn er sich dann aber die Zeit nahm, ein Gemälde zu entwerfen, dann sollte das Werk besonders schön und einzigartig sein. Er war bekannt dafür, über mehrere Jahre an einem Gemälde zu arbeiten.

Wer kein Mathematiker ist, der möge meine Prinizpien nicht lesen.

Leonardo da Vinci

Alle 22 Zuschreibungen - Eine Übersicht

Heute werden Leonardo ca. 20 Werke zugeschrieben. Für die Mehrheit der Gemälde ist die Autorschaft Leonardos umstritten.

Leonardo war 20 Jahre alt, als er seine Meisterprüfung abschloss und in die Malergilde von Florenz aufgenommen wurde. Dennoch hat er fast noch weitere zehn Jahre für seinen Lehrmeister Verrocchio gearbeitet. Ein Großteil der strittigen Werke kommt aus dieser Zeit. Die grundsätzlich spärlichen und ungenauen historischen Quellen zu Leonardos Werken lassen von jeher viel Raum für Deutungen und Zuschreibungen.

Dennoch lässt sich in einigen dieser Gemälde ein gewisser Stil erkennen, der sich stark von den anderen unterscheidet. Es handelt sich um jene anmutige Perfektion im Bildentwurf, die nur Leonardo zu eigen zu sein scheint. Daher kann davon ausgegangen werden, dass der Kreis der ursprünglich über 100 Gemälde, die Leonardo noch um 1900 zugeschrieben wurden, sich auch zukünftig noch weiter verringern wird.

In dieser Übersicht werden alle Gemälde aufgeführt, für die Leonardo nach aktuellem Forschungsstand als Autor in Frage kommt.

Warum ist die Echtheit der Gemälde Leonardos so umstritten?

  • Leonardo da Vinci hat seine Gemälde nie signiert, das war zur Zeit der Renaissance noch nicht üblich
  • Es gibt nur sehr wenige verlässliche Dokumente oder Zeitzeugenberichte zu Leonardos Gemälden. Und wenn es sie gibt, sind sie sehr vage in ihrer Beschreibung. So existieren zur Anna Selbdritt drei zeitgenössische Beschreibungen, von denen aber keine eindeutig den zwei Versionen des Werkes zuzuordnen ist.
  • Bis heute gibt es keine zuverlässige wissenschaftliche Methode, Gemälde vor dem 18. Jh präzise zu datieren. Bestenfalls kann durch physikalische Methoden der Entstehungszeitraum auf +/- 50 Jahre eingegrenzt werden (Radiokarbonmethode).
  • Es sind keine Vorzeichnungen oder Studien Leonardos erhalten, mit denen sich die Arbeiten, z.B. an der Dame mit dem Hermelin, der Belle Ferroniere oder der Mona Lisa beweisen ließen. Leonardo hat in seinen Notizbüchern viel aufgeschrieben, aber es gibt dort nur sehr wenige Hinweise auf seine Gemälde. Zu dem wenigen gehören beschreibende Gedankenskizzen zum Abendmahl oder der Schlacht von Anghiari.
  • Leonardo gilt bis heute als der beste Maler aller Zeiten. Daher haben sich viele große Maler mit ihm gemessen und kopierten seinen Stil. Für die Kunsthistoriker ist es in so einem Fall stilistisch sehr schwierig, beinah unmöglich, den Autor genau zu bestimmen. Berühmte Maler, die Leonardo eifrig kopierten sind z.B. Raffael, Peter Paul Rubens oder Salvador Dalí.

Kunstgeschichte ist keine exakte Wissenschaft

Zu vielen Gemälden fehlt es an historischen Quellen, wodurch die Herkunft nicht genau belegbar ist. Dass ein Gemälde dennoch als echter Leonardo gilt, ist dann das Ergebnis der Untersuchung von Gutachtern.

Zum Beispiel sollte das Leonardo zugeschriebene Porträt der Ginevra de' Benci 1967 an die National Gallery of Art in Washington D.C. verkauft werden. Das Museum beauftragte Mario Modestini die Echtheit zu prüfen. Der Kunstexperte untersuchte das Gemälde einige Tage lang und sein fürsprechendes Gutachten hatte zur Folge, dass das Porträt zum damaligen Rekordpreis verkauft wurde. Seine Einschätzung beruhte auf rein subjektiven Kriterien, denn er gab an, dass die Art, in der die Locken der Ginevra gemalt waren, ihn final überzeugten. Nur Leonardo soll das so gemacht haben können.

Neben den Museen haben auch Kunsthändler, Kunstfälscher oder Kunstsammler ein großes Interesse daran, die Echtheit eines Werkes durch fürsprechende Gutachten zu behaupten. Das Ergebnis eines solchen Gutachtens steht durch die Bedingungen der Auftragsvergabe zumeist bereits vorher fest. Gutachter, die Zweifel an der Echtheit eines einmal als echt bezeichneten Gemäldes wecken, schaden dem Wert des jeweiligen Werkes und damit dem Prestige der Besitzer. Diese Gutachter hätten es in der Folge schwer, an weitere Aufträge zu gelangen.

Daher führt der immense Geld- und Prestigewert der Leonardo Gemälde dazu, dass strittige Gemälde selten von Gutachtern kritisch betrachtet werden oder ihnen überhaupt für eine Untersuchung zur Verfügung gestellt werden. So verweigert die Eremitage in St. Petersburg einem internationalen Expertenteam seit Jahren den Zugang zu zwei vermeintlichen Leonardo Gemälden und verweist ihrerseits auf hausinterne Gutachten, die die Echtheit bestätigen. Dieses Verhalten ist in der Museumswelt beispielhaft und betrifft auch die Werke anderer berühmter Maler. So verweigert sich der Prado in Madrid einer Untersuchung seiner Gemälde von Hieronymus Bosch durch eine Gruppe niederländischer Kunsthistoriker um Matthijs Ilsink, die an der Echtheit einiger der Gemälde zweifeln. Diese Beispiele sollen zum einen aufzeigen, dass die Bestimmung der Echtheit der Leonardo Werke auf höchst subjektiven Empfinden der jeweiligen Gutachter beruht. Zum anderen, welcher Widerstand entsteht, wenn einem Gemälde der finanziell bedeutsame Status als echter Leonardo aberkannt werden soll.

Die zweifelsfrei echten Gemälde

In chronologischer Reihenfolge

Felsgrottenmadonna

1483-1486
Öl auf Holz, 122 × 199 cm, Seitenverhältnis: Goldener Schnitt
Paris, Musée du Louvre

 

 

Das erste vollendete Gemälde Leonardos war als Mitteltafel für einen Altar geplant, den er zusammen mit zwei weiteren Malern dekorieren sollte. Die auftraggebenden Mönche störten sich an der uneindeutigen Mimik und Gestik, die sie als ketzerisch empfanden. Es kam zum Streit über die Bezahlung des Werkes. Das Gemälde wurde nicht übergeben. Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit begann, dessen Ergebnis eine zweite Fassung war. Sie wurde vermutlich nicht mehr von Leonardo selbst angefertigt, sondern von seiner Werkstatt.

Die Dame mit dem Hermelin

um 1490
Öl auf Holz, 39 x 53 cm, Seitenverhältnis: 3:4
Krakau, Czartoryski Muzeum

 

Das erste Frauenporträt Leonardos zeigt eine Mätresse des Mailänder Herzogs, Leonardos langjährigem Dienstherrn. Das Hermelin ist eine Anspielung auf den Nachnamen der Dargestellten und auf den Herzog. Dieser war Mitglied eines Hermelinordens.

La Belle Ferroniere

um 1490
Öl auf Holz, 45 x 63 cm, Seitenverhältnis: 3:4
Paris, Musée du Louvre

 

Die Identität der Schönen mit den vielen Bändern am Kleid ist nicht zweifelsfrei geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine weitere Mätresse des Mailänder Herzogs. Eine Besonderheit des Gemäldes ist die abgrenzende Mauer im Vordergrund. Der Kopfschmuck den sie trägt, wird Ferroniere genannt.

Das letzte Abendmahl

Das Abendmahl – Leonardo da Vinci

um 1495-1498
Öl auf Tempera auf Putz, 904 x 422cm, Seitenverhältnis: 2:1
Mailand, Santa Maria delle Grazie, Refektorium

 

Das mit Abstand größte Werk Leonardo da Vincis ist das einzige seiner vollendeten Werke, das Architektur zeigt. Das Wandgemälde war der letzte Auftrag des Mailänder Herzogs kurz vor seiner Entmachtung und gilt als das zentrale Hauptwerk Leonardos, ist heute aber stark vom Verfall bedroht. Leonardo experimentierte mit den Farben. Das Gemälde zeigt die Szene in der Jesus beim Abendmahl seinen Jüngern verkündet, dass er durch einen von ihnen verraten wird. Sie sind entsetzt und wollen wissen, wer der Verräter sei.

Anna Selbdritt

um 1502-1516
Öl auf Holz, 130 x 168 cm, Seitenverhältnis: 2:3
Paris, Musée du Louvre

 

Lange Zeit wurde angenommen, dass das Werk auf Wunsch des französischen Königshauses entstand. Heute wird davon ausgegangen, dass Leonardo das Werk aus eigenem Antrieb malte. Dargestellt wird der junge Jesus, spielend mit einem Schaf. Seine Mutter Maria sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter Anna. Es existiert eine zweite, frühere Version, die als Studie zu diesem Gemälde entstand (Burlington House Karton). Der Psychologe Sigmund Freud bezog sich auf dieses Gemälde in seiner berühmten Psychoanalyse von Leonardo da Vinci.

Leonardo da Vinci – Anna Selbdritt

Mona Lisa

1503-1506
Öl auf Holz, 53 x 77 cm, Seitenverhältnis: 2:3
Paris, Musée du Louvre

 

Die Mona Lisa ist das berühmteste Gemälde der Welt. Ursprünglich stellte es eine Dame aus Florenz dar, wurde jedoch von Leonardo über die Jahre durch unzählige Übermalungen in ein mystisches Werk überführt. Das dunkel gehaltene Bild schafft durch die erodierte Landschaft im Hintergrund und die unruhigen Finger ihrer rechten Hand eine beinah gespenstische Atmosphäre, der auf wunderbar sanftmütige Art ihr berühmtes Lächeln entgegengestellt wird.

Mona Lisa – Leonardo da Vinci

Johannes der Täufer

um 1513-1516
Öl auf Holz, 56 x 73 cm, Seitenverhältnis: 4:5
Paris, Musée du Louvre

 

Die biblische Figur Johannes der Täufer war der Schutzherr von Florenz, Leonardos Heimatstadt. Das vermutlich letzte Gemälde Leonardos entstand zur Zeit seines Romaufenthalts im Dienst des Papstes, sechs Jahre vor seinem Tod. Es zeigt das ganze Können Leonardos mit wenigsten Mitteln eine erstaunliche Vielschichtigkeit zu erreichen. Er verzichtet auf die Darstellung von Landschaft, Architektur, weiteren Figuren oder prachtvollen Gewändern und arbeitet ausschließlich mit dem weichen Sommerfell eines Hermelins, einem menschlichen Körper, einem Kreuz und Licht. Das Gemälde ist so ein wunderbar kunstvoll visualisiertes Epigramm und sicherlich ein letzter Gruß von Leonardo, dem besten aller Maler.

Johannes der Täufer – Leonardo da Vinci
Leonardo da Vinci – virtuelle Galerie aller zweifelsfrei echten und vollendeten Gemälde
Schematische Darstellung aller zweifelsfrei echten und vollendeten Gemälde Leonardos in einer virtuellen Galerie in ihren originalen Größenverhältnissen, von links nach rechts chronologisch sortiert.
Es ist ein klares Muster erkennbar: einem großen Gemälde folgten zwei kleinere Porträts. Das Abendmahl ist mit 9m Breite das größte Gemälde und in der Mitte von Leonardos Schaffenszeit gemalt worden. Es ist zugleich das einzige vollendete Wandgemälde Leonardos und damit fest an den Ort seiner Entstehung gebunden.
Das klar erkennbare Muster der Bildgrößen lässt vermuten, dass Leonardo alle seine zweifelsfrei echten und vollendeten Gemälde als Gemäldezyklus miteinander verwoben hat. Demnach müssen jene Gemälde des Universalgenies durch ein gemeinsames Thema verbunden sein. Die These wird unterstützt durch die Tatsache, dass Johannes der Täufer nur auf dem ersten (Felsgrottenmadonna) und dem letzten Gemälde gezeigt wird (Johannes der Täufer). Auf dem ersten als Kleinkind, auf dem letzten als Erwachsener. Johannes der Täufer ist der Schutzheilige von Florenz, Leonardos Heimatstadt und ein Symbol des Lichts.

Die unvollendeten Gemälde

In chronologischer Reihenfolge

Leonardo da Vinci - Der heilige Hieronymus

Der heilige Hieronymus

um 1478-1482
Öl auf Holz (Walnuss), 103 x 137 cm, Seitenverhältnis: 3:4
Vatikanische Pinakothek, Rom

 

Das Werk zeigt den Heiligen umgeben von Felsen mit einem Löwen, den er der Legende nach gezähmt haben soll. Er blickt auf die begonnene Skizze einer Kirche, die einer zu der Zeit fertig gestellten Kirche in Florenz ähnelt (Santa Maria Novella).

Leonardo begann vermutlich mit diesem Altarbild seine Laufbahn als selbstständiger Maler in Florenz. Es handelt sich dann um das erste eigenständige Gemälde Leonardos. Zu dem Zeitpunkt war er ca. 26 Jahre alt. Er hatte anfangs große Schwierigkeiten an lukrative Aufträge zu kommen und erhielt den Auftrag zu dem Altarbild vermutlich auf Vermittlung seines Vaters, der als Notar für die Auftraggeber tätig war. Durch seinen Umzug nach Mailand (1482) konnte Leonardo das Werk nicht mehr vollenden.

Da es kaum historische Quellen gibt, die das Werk mit Leonardo in Verbindung bringen, wird seine Autorschaft vor allem stilistisch begründet. Denn bereits an diesem frühen Werk ist zu erkennen, dass Leonardo eine Harmonie von Wissenschaft und Malerei anstrebte. Die Betonung der Knochen und der Muskulatur des Heiligen deuten darauf hin, dass Leonardo bereits in jungen Jahren über umfangreiche anatomische Kenntnisse verfügte.

Das Gemälde war lange Zeit unbekannt, bis es in Rom von einem Onkel Napoleons wiederentdeckt wurde. Es war in mehrere Teile geschnitten worden, die Dekorationszwecken dienten. Das ist an der quadratförmigen dunklen Verfärbung um den Kopf herum noch gut zu erkennen.

Leonardo da Vinci - Anbetung der Könige

Anbetung der Könige

um 1481
Öl auf Holz
247 × 246 cm, Seitenverhältnis: 1:1
Galleria degli Uffizi, Florenz

 

Das Gemälde zeigt die Madonna kurz nach der Geburt des Jesus in Bethlehem. Sie wird umkreist von Gläubigen. Unter ihnen die heiligen drei Könige aus dem Morgenland. Sie kommen, um Jesus anzubeten. Im Hintergrund rechts tobt eine Schlacht, die der Darstellung der ca. 20 Jahre später begonnenen "Schlacht von Anghiari" auffällig ähnelt. Die linke Hälfte des Bildhintergrundes ist der perspektivischen Darstellung der Architektur gewidmet, die Leonardo ansonsten nur in seinem Hauptwerk zeigt, dem letzten Abendmahl, etwa 15 Jahre später.

Eine Besonderheit des Gemäldes ist der Bezug zu Sandro Botticellis wenige Jahre zuvor entstandener Anbetung der Könige. Der war ein Mitschüler Leonardos in Verrocchios Werkstatt, jedoch sieben Jahre älter. Botticelli stellte sich in seiner Version am rechten Rand selbst dar. Daher kamen Vermutungen auf, dass Leonardo sich in seinem Werk ebenfalls am rechten Rand selbst darstellte.

Wie das zur selben Zeit begonnene Werk "Der heilige Hieronymus" musste Leonardo auch dieses Gemälde unvollendet in Florenz zurücklassen, als er nach Mailand aufbrach, um dem dortigen Herzog zu dienen.

Tavola Doria - Leonardo da Vinci

Tavola Doria (Studie zur Schlacht von Anghiari)

um 1503-1505
Öl auf Pappelholz, 86 x 115 cm, Seitenverhältnis: 4:3
Wanderausstellung

 

Die Holztafel (ital. 'Tavola') wurde nach ihren ehemaligen Besitzern, der Familie Doria benannt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine eigenhändige Studie Leonardos zu dem übergroßen Wandgemälde "Schlacht von Anghiari".

Das Gemälde war für den Saal der 500 im Palazzo Vecchio geplant, dem Stadtparlament von Florenz. Es sollte an einen glorreichen Sieg erinnern, den die Republik Florenz 60 Jahre zuvor über das Herzogtum Mailand errungen hatte.

Die Bildidee war Leonardo nicht neu. Bereits um 1490 hatte er in einem längeren Text für sein Buch von der Malerei beschrieben, wie eine Schacht darzustellen sei. Außerdem lassen sich Elemente der Schlacht von Anghiari bereits in Leonardos Anbetung der Könige finden.

Das Duell der Renaissance-Größen

Zeitgleich mit Leonardo begann Michelangelo im selben Saal auf der gegenüberliegenden Wand sein Gemälde zur Schlacht bei Cascina. Doch beide Arbeiten kamen wegen Wandnässe kaum voran. Leonardo hatte Versuche unternommen, die Wände zu trocknen, was aber nur schlecht gelang. Seine Aufzeichnungen zeugen von den Schwierigkeiten des Projekts:

"Am Freitag, den 6. Juni 1505, Schlag dreizehn Uhr begann ich im Palazzo zu malen. In dem Moment, als ich den Pinsel ansetzte, wurde das Wetter schlecht und die Glocke des Gerichts erklang, um die Leute zu den Verhandlungen zu rufen. Der Karton zerriß, das Wasser wurde verschüttet, und das Gefäß, in dem das Wasser gebracht wurde, zerbrach. Und sogleich wurde das Wetter schlecht, und es regnete bis zum Abend in Strömen, und es blieb so dunkel wie in der Nacht."

Beide Maler wurden von den unvollendenten Arbeiten abberufen. Leonardo musste plötzlich zurück zu seinem damaligen Dienstherren, dem französischen Statthalter in Mailand und Michelangelo folgte dem Ruf des Papstes nach Rom. Es ist unbekannt, ob die beiden Werke je über vorbereitende Studien hinausgingen, denn auch zu Michelangelos geplantem Gemälde existieren nur Kopien vorbereitender Kartons.

Michelangleo – Schlacht von Cascina (Kopie eines Schülers)
Schlacht von Cascina (nach Michelangelo), Bastiano da Sangallo (Aristotile), um 1542
Michelangelos Werk gilt ebenso als verschollen und ist nur durch später angefertigte Kopien seiner Schüler erhalten. Es zeigt badende Krieger, die vom einem Alarm überrascht werden. Das Motiv des Wassers und der überstürzten Flucht lässt an die spezifischen Schwierigkeiten des Projekts mit den feuchten Wänden denken. Auch Michelangelo musste das Projekt plötzlich verlassen

Die geplanten Abmessungen des riesigen Wandgemäldes sind unbekannt, doch wäre es sicher mindestens so groß geworden, wie das letzte Abendmahl (9 × 4m). Der Palazzo Vecchio wurde ca. 30 Jahre später umfangreich renoviert und umgebaut. Unter anderem führte der berühmte Leonardo Biograf und Architekt Giorgio Vasari die Bauarbeiten durch. Er malte im Saal der 500 mehrere Gemälde, die ca. 13m breit und 7m hoch waren. Vermutlich sollten auch Leonardos und Michelangelos Werke dieser Größe entsprechen. Zum Vergleich: Leonardos mit Abstand größtes Gemälde ist das letzte Abendmahl mit ca. 9m Breite und 4,5m Höhe, ebenfalls ein Wandgemälde.

Die "Tavola Doria" war die Vorlage von Peter Paul Rubens für seine Version der Schlacht von Anghiari (nach Leonardo da Vinci).

Schlacht von Anghiari nach Leonardo da Vinci – Peter Paul Rubens
Schlacht von Anghiari (nach Leonardo da Vinci), Peter Paul Rubens, um 1603
Diese Zeichnung ist die bekannteste Kopie des verschollenen Gemäldes. Vermutlich ist die Tavola Doria die Vorlage aller Kopien. Bemerkenswert ist die Ähnlichkeit des linken unteren Gesichts mit dem vermuteten Selbstporträt Leonardos in der "Anbetung der Könige", dass sich in Erwartung eines aussichtslosen Kampfes vom Schlachtfeld zu schleichen scheint. Fast scheint es, als hätten beide, Michelangelo und Leonardo die vermuteten Schwierigkeiten des Projekts bereits im Bildentwurf verarbeitet. Es verwundert nicht, dass der Palazzo Vecchio einige Jahrzehnte später umfassend saniert wurde

Armselig der Schüler, der seinen Meister nicht übertrifft.

Leonardo da Vinci

Die strittigen Gemälde

In angenommener chronologischer Reihenfolge

Verrochio - Tobias und der Engel

Tobias und der Engel

Andrea del Verrocchio
um 1470–1475
Tempera auf Holz, 84 × 66 cm
National Gallery, London

 

Das Gemälde wurde von Leonardos Lehrmeister Andrea del Verrocchio angefertigt und erst in jüngerer Vergangenheit mit Leonardo da Vinci in Verbindung gebracht. Nach Meinung einiger Kunsthistoriker ist vor allem der Fisch zu gut gemalt, um von Verrocchio zu sein. Der wolkenähnlich gemalte Hund im linken unteren Bereich erinnert an das Motiv des Wassers, das Leonardo zetlebens beschäftigte und soll daher auch von ihm gemalt worden sein. Ebenso erschreinen die Locken des Tobias in einem leonardesken Stil. Dennoch besteht unter den Experten Uneinigkeit über die Mitwirkung des damaligen Verrocchio Schülers Leonardo.

Könnte die Mitwirkung Leonardos unstrittig nachgewiesen werden, würde es sich um das erste Gemälde handeln, an dem Leonardo mitgewirkt hat.

Verkündigung Mariens im Garten

Die Verkündigung

1472–1475
Öl und Tempera auf Pappelholz, 98 × 217 cm
Florenz, Galleria degli Uffizi

 

Bei dem Werk soll es sich um eine Arbeit aus der Werkstatt Andrea del Verrocchios handeln, Leonardos Lehrmeister. Was genau Leonardos Beitrag war, ist umstritten. Er soll Teile des Engels und des Hintergrundes gemalt haben. Die Darstellung des Engels erinnert in Körperhaltung, Gestaltung der Flügel und des Gewandes an Leonardos erstes eigenständig vollendetes Werk, die Felsgrottenmadonna.

  • Die Engel des Flügels ähneln denen des Engels der Felsgrottenmadonna. Ebenso erinnert das Rot und Grün des Gewandes and diesen Engel
  • der grüne Gewandteil ist anähernd gleich in Falten gelegt wie das orange Innenfutter des Mantels der Madonna der Felsgrottenmadonna
  • die vier Hände haben dieselbe Haltung, wie vier Hände der Felsgrottenmadonna, was sich nur teilweise mit dem religiösen Kontext erklären lässt. So entsprechen beide Hände der Madonna (hier im Buch blätternd und den Segen empfangend) der Handhaltung der Madonna der Felsgrotte, nur sind sie jeweils um 90° nach unten gedreht
Madonna mit der Nelke

Madonna mit der Nelke

um 1473–1478
Öl auf Pappelholz, 62 × 47,5 cm
München, Alte Pinakothek

 

Die Zuschreibung an Leonardo ist sehr umstritten. So wird das Gemälde neben Leonardo, auch Verrochio, Verrocchios Werkstatt oder Lorenzo di Credi zugeschrieben.

Befürworter der Zuschreibung beziehen sich auf ein Vasari Zitat in seiner Leonardo Biografie: "Danach malte Leonardo ein ganz hervorragendes Madonnenbild, das später in den Besitz von Papst Clemens VII. gelangte. Unter anderem enthielt dieses Bild eine mit Wasser gefüllte Glasvase und Blumen darin, ein Wunderwerk an Treue, die Tauperlen auf den Blumenblättern waren so natürlich wiedergegeben, daß sie wirklicher erschienen als in der Wirklichkeit." Diese Beschreibung soll sich auf die rechte untere Vase im Gemälde beziehen.

Daneben bringt die Brosche der Madonna das Gemälde mit Leonardo in Verbindung. Es ist dieselbe Brosche, die auch die Madonna der Felsgrottenmadonna trägt. Weiterhin wird die Malerei der Hintergrundlanschaft von den Befürwortern einer Autorschaft Leonardos als typisch leonardesk betrachtet und mit Leonardos Gemälde Anna Selbdritt in Verbindung gebracht.

Der Gesamteindruck des Gemäldes spricht allerdings gegen ein Werk Leonardos. Die malerische Qualität entspricht keinesfalls den nur wenige Jahre später entstandenen Gemälden Hl. Hieronymus (um 1487) und Anbetung der Könige (um 1481). Es gibt keinen Grund anzunehmen Leonardo wäre hier bewusst unter seinen Möglichkeiten geblieben.

Ginevra di Benci – Vorderseite

Ginevra de' Benci

1474-1478
Öl auf Holz, 43 × 37 cm
Washington D.C. National Gallery of Art

 

Als das Bildnis der Ginevra de' Benci in den 1950er Jahren von der National Gallery of Art in Washington D.C. erworben wurde, war es das teuerste je verkaufte Gemälde.

Das Gemälde soll das erste eigenständige Werk Leonardos sein, das er mit 21-25 Jahren unter dem Eindruck der niederländischen Ölmalerei gemalt haben soll. Leonardo kannte diese damals neue Technik aus Verrocchios Werkstatt. Zu dieser Zeit war die Kunstszene Italiens mit der nördlich der Alpen gut vernetzt. Viele nordalpine Händler verkauften Gemälde nach Italien, auch kam es zu Bildungsreisen nordalpiner Maler nach Italien.

Die Bilderzählung des Gemäldes ist in jeder Hinsicht beeindruckend komponiert, doch die verwendete geometrische Symbolik spricht gegen eine Autorschaft Leonardos. Vielmehr ist nach einer fundierten Bildanalyse eine Datierung ab dem späten 17. Jh. zwingend. Da das Gemälde selbst, als auch die wenigen Quellen den starken Anschein erwecken, es handle sich um ein originales Werk Leonardos, muss es sich demnach um eine bewusste Fälschung handeln. Das wäre dann auch die einfachste Erklärung für den markanten stilistischen Unterschied zu sämtlichen anderen Leonardo zugeschriebenen Werken, für den die Kunsthistoriker bislang keine schlüssige Erklärung haben.

Andrea del Verrocchio – Taufe Christi

Taufe Christi

Andrea del Verrocchio
um 1475
Tempera und Öl auf Holz, 177 × 151 cm
Florenz, Galleria degli Uffizi



Das Gemälde ist eine Arbeit von Leonardo da Vincis Lehrmeister Andrea del Verrocchio. Leonardo soll in Teilen mitgewirkt haben. So sollen der linke Engel und Teile des Hintergrundes von ihm gemalt worden sein. Da die "Taufe Christi" im Ganzen auf keinen Fall Leonardo zugeschrieben wird, ist die Betrachtung vor dem Gesamtwerk Leonardo da Vincis weniger relevant und lässt maximal Rückschlüsse auf die Art seiner Tätigkeiten während seiner Lehrzeit bei Verrocchio zu.

Im Zusammenhang mit dem Gemälde wird häufig eine Anekdote aus Vasaris Leonardo Biografie zitiert: "Dieser [Verrocchio] arbeitete an einer Tafel der Taufe Christi, und Leonardo malte darin einen Engel, der einige Gewänder hält. Trotz seiner Jugend führte er diese Gestalt so vollendet aus, daß sein Engel die Figuren des Andrea bei weitem übertraf. Dies war der Grund dafür, daß der Meister keine Farben mehr anrühren wollte, voll Zorn, dass ein Kind mehr verstehe als er."

Vasaris Geschichte ist nur eine Legende, denn die Taufe Christi war nicht das letzte Gemälde Verrocchios. Vasari war bekannt dafür, es mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen, wenn dadurch interessante Geschichte entstanden.

Madonna Benois

Madonna Benois

um 1475–1478
Öl auf Leinwand, 49.5 × 31 cm
Sankt Petersburg, Eremitage

 

Das Gemälde der Madonna Benois ist insgesamt zu schlecht ausgeführt um als ein echtes Leonardo Gemälde zu gelten. Vor allem die Lichtsetzung ist erratisch, dabei war die für Leonardo stets besonders wichtig. Es ist unklar, von wo die Szene beleuchtet wird. Die Lichtquellen und Schatten scheinen willkürlich gesetzt. Besonders deutlich wird das unklare Lichtspiel an ihrer linken Hand hinter dem Jesus Kind. Die Beleuchtung stimmt mit keiner angenommenen Lichtquelle überein.

Dazu kommt eine ungeschickte Ausführung des properen Babys, dessen linker Fußrücken krankhaft angeschwollen zu sein scheint. Das asymetrische, beim Anblick des Kindes fast gequält wirkende Gesicht der Madonna rundet den unstimmigen Gesamteindruck ab.

Es wäre außerdem sehr untypisch für Leonardo Heiligenscheine einzuzeichnen. Er hat stets bewusst auf die gängige Ikonographie verzichtet, um den Gemälden einen zeitlosen Charakter zu geben.

Dass in diesem Zusammenhang auch dieses Gemälde mittels der bekannten Brosche aus der Felsgrottenmadonna mit Leonardo in Verbindung gebracht wird (es ist wieder dieselbe), scheint Absicht zu sein und spricht bestenfalls für eine Hommage eines weniger talentierten Malers.

Dass der Rock der Madonna fast identisch mit dem der Anna Selbdritt ist, ist da nur noch ein Detail. Die Eremitage in Sankt Petersburg weigert sich daher auch konsequent das Gemälde mit moderner Technik untersuchen zu lassen.

Porträt eines Musikers

Bildnis eines jungen Mannes (Bildnis eines Musikers)

1485–1490
Öl und Tempera auf Holz, 45 × 32 cm
Mailand, Pinacoteca Ambrosiana

 

Leonardo da Vinci war ein Musikliebhaber. Er soll die Lyra gespielt haben (ein harfenähnliches Musikinstrument), entwarf eigene Musikinstrumente und soll sich selbst beim Spielen mit improvisierten Gesang begleitet haben, was zu großer Bewunderung auf höfischen Festen geführt haben soll. In seinen Aufzeichnungen lassen sich auch Takte von Noten finden.

Doch Leonardo bevorzugte die Malerei als die höchste aller Künste. In seinen Schriften wurde er nicht müde zu betonen, dass die Musik, ebenso wie die Dichtung, im Moment ihrer Entstehung bereits wieder verschwindet. Und dass tausend Worte nicht beschreiben können, was ein gutes Bild in einem Augenblick erzählt.

Leonardos Zeit war knapp bemessen, so knapp, dass er selbst die einflussreiche Herzogin Isabella d’Este bei der Bitte um ein Porträt vertrösten musste. Leonardo war kein hauptberuflicher Maler und musste nicht vom Anfertigen kleinerer Porträts leben. Er konnte es sich also erlauben, nein zu sagen.

Die wenigen Porträts, die er nachweislich geschaffen hat, waren bereits in der geometrischen Grundkomposition stets mit sehr viel Rafinesse angelegt, diese fehlt dem Porträt des Musikers ganz und gar. Es wird sogar vermutet, dass das namensgebende Notenblatt erst später hinzugefügt wurde, was es im Entwurf noch liebloser wirken lassen würde.

Das Bildnis eines jungen, unbekannten Musikers passt also nicht in das Bild, dass die Kunsthistoriker von Leonardo zeichnen.

Bildnis eines Musikers (Detail des Notenblatts)
Bildnis eines Musikers (Detail)
Es ist klar zu erkennen, dass die Wörter über den Noten nicht in der für Leonardo typischen Spiegelschrift geschrieben sind
Leonardo da Vinci – Blatt mit Noten
Zwei Takte mit Noten, Leonardo da Vinci, Codex Arundel
Madonna Lita

Madonna Litta

1490–1495
Tempera auf Leinwand, 42 × 33 cm
Sankt Petersburg, Eremitage

 

Das Gemälde ist ein gutes Beispiel dafür, wie langwierig Prozesse sein können, die ein Umdenken unter Kunsthistorikern bewirken. Leonardos Urheberschaft gilt durch die Untersuchungen von Alessandro Ballarin mittlerweile als widerlegt und das Gemälde wird nun Leonardos Schüler Boltraffio zugeschrieben.

In Frank Zöllners weit verbreiteten populärwissenschaftlichen Buch "Leonardo da Vinci" (Taschen Verlag, 1999) wird es weiterhin als Werk Leonardos aufgeführt. Laut seiner Aussage soll es im Louvre eine Studie geben, die zumindest Leonardos Mitwirkung vermuten lässt. Frank Zöllner ist jedoch einer der wenigen verbliebenen Kunsthistoriker, die das Bild noch für ein Gemälde Leonardos halten.

Auch die Eremitage in St. Petersburg, das ausstellende Museum, unterstellt weiterhin eine Urheberschaft von Leonardo da Vinci.

Salvator Mundi

Salvator mundi

1500
Öl auf Holz. 66 × 46 cm
Privatbesitz (Saudische Königsfamilie)


Salvatore Mundi (lat. 'Erlöser der Welt') zeigt einen segnenden Jesus mit einer Glaskugel in der linken Hand. Diese Art der Darstellung war im 16.Jh. sehr verbreitet. Es gibt zahlreiche Gemälde mit diesem Motiv, auch mit genau diesem Motiv der sich kreuzenden Bauchgurte.

Die wundersame Wiederentdeckung

Die Existenz des Gemäldes ist erst seit ca. 1900 nachgewiesen, als es auf einer Londoner Auktion auftauchte. Es befand sich durchweg in Privatbesitz und war der Öffentlichkeit unbekannt. Das damals stark beschädigte Gemälde wurde 2005 in New Orleans für ca. 1.000,- Dollar von einem Kunstspekulanten gekauft, der sich auf die Entdeckung bisher unbekannter Werke alter Meister spezialisiert hatte. Er gab das Werk zu Dianne Modestini in die Restauration.

Die Modestinis

Dianne Modestini war die viele Jahre jüngere Ehefrau des Restaurators und Leonardo Experten Mario Modestini. Der damals bereits 98-jährige Mario Modestini war schon einmal für eine bedeutende Leonardo Zuschreibung verantwortlich gewesen. Als 1967 die National Gallery of Art in Washington das Porträt der Ginevra de' Benci erwarb, war es sein Urteil, das eine Autorschaft Leonardos feststellte. Er hatte nach tagelanger Untersuchung des Gemäldes "absolut keine Zweifel" an der Echtheit. Eine heute sehr umstrittene Aussage. Wie auch der Salvator Mundi heute, wurde das Porträt der Ginevra de' Benci damals zum höchsten je bezahlten Preis gekauft.

2005 zeigte Dianne ihrem Ehemann Mario Modestini den 'Salvator Mundi' und er sagte, das Gemälde wäre sicher das Werk eines sehr großen Künstlers, aber aus der Generation nach Leonardo. Wenige Monate darauf starb Mario Modestini. Seine Witwe restaurierte das Gemälde unter dem Eindruck seines Todes und musste zahlreiche abgeplatzte Stellen vor allem im Bereich des Kopfes ausbessern. Die Beschädigungen des Gemäldes waren so groß und ihre Ausbesserungen und Übermalungen waren so umfangreich, dass Spötter meinten, der heutige Salvator Mundi wäre nicht von Leonardo geschaffen worden, sondern vielmehr ein eigenhändiges Werk von Dianne Modestini nach der Art von Leonardo.

Salvator Mundi – Fotografie um 1912
Salvator mundi, Fotografie von 1912
Das Gemälde war zu dieser Zeit an vielen Stellen übermalt gewesen, unter anderem wurde dem Jesus ein Oberlippenbart angemalt. Die Fotografie demonstriert eindrücklich, wie mit nur wenigen Übermalungen der Charakter eines Gemäldes stark verändert werden kann, was unter Umständen sogar zu einer völlig neuen Zuschreibung führt
Salvator Mundi – Fotografie vor der Restauration durch Dianne Modestini
Salvator mundi, Fotografie um 2005
Im Zuge der Restauration durch Dianne Modestini wurde das Gemälde zunächst gesäubert, wodurch klar wurde, wie stark es beschädigt war. Unten ist ein Astloch zu erkennen, von dem sich ein Spalt bis nach oben zieht. Die vielen Abplatzungen machen klar, wie stark Dianne Modestini das Gemälde nach eigenem Ermessen übermalte

Dianne Modestini gibt an, dass als sie zu den Lippen kam, sie deren konturenlose Malweise an die Lippen der Mona Lisa erinnerte: "Mir zitterten die Hände, nur Leonardo konnte dieses Bild gemalt haben". Sie informierte unverzüglich den Besitzer, dass sie das Werk für ein Gemälde Leonardos hielt.

Das teuerste Gemälde der Welt

Den Auktionshäusern bekannt gemacht wurde das Werk im Jahr 2005 und wechselte bis 2013 für immer höhere Aufpreise den Besitzer, bis es 2017 schließlich zum bisherigen Rekordpreis von ~500 Mio Dollar in die arabische Region verkauft wurde.

Zweifel an der Echtheit

Der bei der Auktion erzielte Rekordpreis ergibt sich aus den Regeln des Kunstmarkts und darf nicht über die erheblichen Zweifel an der Echtheit des Gemäldes hinwegtäuschen. Einige Gründe sprechen rein formal gegen eine Zuschreibung an Leonardo.

  • das beinahe plump gemalte "Dekolleté" des androgyn wirkend sollenden Jesus Christus
  • die für Leonardo untypische langweilig-wirkende frontale Darstellung ohne jede Dynamik in der Bewegung
  • das inkonsequent eingesetzte Sfumato: die Hand wirkt sehr plastisch, das Gesicht in der Kinnpartie sehr verwaschen und zu weich gemalt
  • die für eine Glaskugel ungewöhnliche Reflexion (das wird allgemein mit einer hohlen Glaskugel erklärt)
  • die ein Dreieck formenden weißen Punkte auf der Kugel sind grundsätzlich typisch für Leonardos geometrische Bildkomposition, nur sind sie hier zu offensichtlich. Leonardo hat die Bildgeometrie stets verspielter mit der Darstellung verwoben
  • auch hier taucht das Juwel der Brosche der "Madonna mit der Nelke" und der "Madonna Benois" auf, das über den Umweg der Felsgrottenmadonna eine Verbindung zu Leonardo schaffen soll
  • das Gemälde zeigte vor der Restauration durch Dianne Modestini einen nur behelfsmäßig ausgebesserten durchgehenden Riss, der links unterhalb der Brosche von einem Astloch der Holztafel ausging. Leonardo war bekannt dafür, stets die besten Materialien zu verwenden. Holztafeln mit Astlöchern sind anfällig für Risse und gelten daher als minderwertiges Holz

Aus diesen und zahlreichen weiteren Gründen betrachtet die Mehrzahl der Kunsthistoriker Leonardo nicht als Autor des Salvator Mundi. Als 2019 anlässlich des 500. Todestags von Leonardo da Vinci im Pariser Louvre eine Sonderausstellung stattfand, wurde der Salvator Mundi dort nicht gezeigt. Die Gründe hierfür sind nach offizieller Lesart unbekannt, doch trug die andauernde Diskussion um die Echtheit sicherlich dazu bei.

Madonna mit der Spindel
Madonna mit der Spindel

1501
Öl auf Holz, 50,2 × 34,6 cm
Privatbesitz

 

Dass dieses Gemälde ein Werk aus der Werkstatt Leonardos ist, gilt als unstrittig. Die wichtigste historische Quelle in diesem Zusammenhang ist der Briefwechsel vom Frühjahr 1501 zwischen Pietro de Nuvolaria und Leonardos Bewunderin Isabella d'Este, Herzogin von Mantua.

Der Briefwechsel von Isabella d'Este und Pietro de Nuvolaria

Isabella d'Este wollte sich unbedingt von Leonardo porträtieren lassen und bat Pietro sie über dessen aktuelle Projekte auf dem Laufenden zu halten. Am 3.4.1501 berichtet er im Wesentlichen davon, dass Leonardo an einer großformatigen Skizze zum Gemälde der Hl. Anna Selbdritt arbeitet, sich aber hauptsächlich mit der Geometrie beschäftigt, der "sein ganzes Streben gehört". Sonst hätte er "nichts gemacht, jedoch machen zwei seiner Schüler Bildnisse und bei einigen legt er bisweilen mit Hand an".

Einige Tage später, am 14.4.1501 schreibt er erneut und erwähnt ein kleines Bild für Robertet, einen Günstling des Königs von Frankreich, an dem gearbeitet wird. Er beschreibt es daraufhin so: "Das kleine Bild, das er gerade malt, ist eine Madonna, die dasitzt, als wollte sie Spindeln aufwickeln, der Knabe setzt einen Fuß in das Körbchen mit den Spindeln, er hat die Haspel ergriffen und betrachtet aufmerksam ihre vier Speichen, die ein Kreuz bilden. Und da er sich eben dieses Kreuz wünscht, lacht er und hält es fest, denn er will es nicht der Mutter geben, die es ihm, so scheint es, wegnehmen möchte".

Radiologische Untersuchungen konnten zeigen, dass sich ursprünglich der rechte Fuß des Knaben tatsächlich in einem Körbchen mit Spindeln befand, wie Pietro de Nuvolaria schreibt, aber dass dieses später übermalt wurde.

Aus der Werkstatt Leonardos

Es besteht heute daher kein Zweifel daran, dass das Bild für Robertet die heutige "Madonna mit der Spindel" zeigt. Zweifel gibt es jedoch an Leonardos Grad der Mitwirkung. Denn wie Pietro de Nuvolaria betonte, hatte Leonardo wegen seiner geometrischen Studien zu der Zeit wenig Muße für die Malerei, was es sehr wahrscheinlich macht, dass zwei seiner Schüler das Bildnis machten und Leonardo bei diesem bisweilen mit Hand angelegt hat.

Das würde auch erklären warum kaum ein Leonardo zugeschriebenes Werk sich aus so vielen Versatzstücken seiner zweifelsfrei echten Gemälde zusammensetzt. Es finden sich Elemente aus den Gemälden:

  • Felsgrottenmadonna(1483-86): die Handhaltung ist identisch mit der der Felsgrottenmadonna (spiegelverkehrt und um 45° zur Seite gedreht), die Felsen im rechten Vordergrund erinnern an den vordersten Abgrund der Felsgrottenmadonna
  • Mona Lisa (1503-19): die Brücke im linken Bildhintergrund entspricht der aus der Mona Lisa
  • Anna Selbdritt (1502-19): die Landschaft im Hintergrund und die Kopfbedeckung der Madonna
  • Johannes der Täufer (1513-19): der Winkel in dem der Stab des Täufers geneigt und gedreht ist, ebenso die Armhaltung des Kindes mitsamt dem Fingerzeig.

Das ist umso bemerkenswerter, als das alle Gemälde bis auf die Felsgrottenmadonna nachweislich erst nach der Madonna mit der Spindel entstanden sind. Leonardo scheint diese Elemente bereits hier vorwegzunehmen, was auch hier dafür spricht, dass Leonardo ein grundsätzliches Gesamtkonzept für seine eigenhändigen Werke hatte.

Neben der hier gezeigten Version der Madonna mit der Spindel existiert noch eine zweite, weniger gelungene Version (Buccleuch Version). Physikalische Untersuchungen konnten nachweisen, dass beide Gemälde gleichzeitig gemalt worden sind, da beide die gleichen später übermalten Korrekturen aufweisen.

Die zwei Gemälde der Madonna mit der Spindel wirken nun insgesamt wie eine Übungsaufgabe Leonardos an seine zwei besten Schüler ihn so gut wie möglich zu kopieren. Ganz im Verständnis von Pietro de Nuvolaria, der schreibt, dass Leonardo zu dieser Zeit keine Muße hatte, "jedoch machen zwei seiner Schüler Bildnisse und bei einigen legt er bisweilen mit Hand an". Wahrscheinlich stammt der Entwuf von Leonardo, doch abgesehen von einigen wenigen Korrekturen, gilt eine eigenhändige Arbeit Leonardos jedoch als ausgeschlossen. Das Werk wird daher meist mit dem Zusatz "aus der Werkstatt Leonardos" bezeichnet.

Leda und der Schwan
Fiktive Reproduktion durch einen unbekannten Künstler. Es wird vermutet, dass es sich um ein Werk des Mailänder Malers Sodoma handelt

Leda mit dem Schwan

um 1504(?), verschollen


Über die Art der Darstellung selbst ist nichts bekannt. Leonardos Schüler Salai hinterließ ein Werk, dass so genannt wurde. Da vermutet wird, dass er einen Teil der Gemälde Leonardos nach dessen Tod übernahm, wird vermutet dass Leonardo eine Leda mit dem Schwan malte. Zahlreiche sehr ähnliche Versionen wurden von seinen Schülern angefertigt, so dass es denkbar ist, sie hätten das Werk nach Leonardo kopiert.

Es ist auch bekannt, dass das französische Königshaus nach Leonardos Tod eine Leda mit dem Schwan in ihrem Baderaum aufhängen ließ, was das Gemälde durch die Luftfeuchtigkeit jedoch zerstörte. Das französische Königshaus erwarb einen Großteil der zweifelsfrei echten Leonardo Gemälde, doch es ist unbekannt, ob diese Leda mit dem Schwan Teil dieser Sammlung war. Das Werk gilt daher als verschollen.

Dass Leonardo das Motiv der "Leda mit dem Schwan" inspirierte, zeigen einige Zeichnungen zu dem Motiv.

Bacchus – Leonardo da Vinci

Bacchus

1510–1515
Öl auf Holz, 177 × 115 cm
Paris, Musée du Louvre


Bacchus ist der römische Gott des Weines und der Fruchtbarkeit. Er entspricht dem Dionysos aus der griechischen Mythologie. Ursprünglich soll das Gemälde Johannes den Täufer dargestellt haben. Später soll aus dem Johannesstab das Kreuz entfernt und der Lendenschurz zu einem Leopardenfell überarbeitet worden sein, um so die Attribute des Bacchus zu zeigen. Außerdem wird der Bacchus häufig mit Reben im Haar und einem Weinbecher dargestellt, welche hier allerdings fehlen.

Der Bacchus ist sicherlich das gelungenste unter den strittigen Leonardo Werken. Der farbliche Stil, Teile der Landschaft aber auch das schön herausgearbeitete Doppelbild – der große Kopf in der linken Bildhälfte – lassen eine Urheberschaft Leonardos vermuten. Dennoch wird das Werk heute meist als Werkstattarbeit Leonardos angesehen.

Denn die, wie eine barocke Perücke wirkenden Haare und der barocke Stil der Darstellung des Felsens hinter ihm, deuten nicht auf ein Werk Leonardos, wobei es sich auch um einen Teil der späteren Übermalungen handeln könnte. Doch auch die Sitzhaltung des Bacchus wirkt unglücklich positioniert und daher unbequem, was für Leonardo eine untypische Darstellung wäre.

Zuletzt stellt sich die Frage, warum Leonardo nach dem äußerst gelungenen Werk Johannes der Täufer (1513) einen zweites Gemälde mit demselben Motiv anfertigte.

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