Der lange Kreuzstab und die spärliche Bekleidung aus einem Fellumhang sind die ikonographischen Attribute von Johannes dem Täufer.
Johannes der Täufer ist eine biblische Figur des neuen Testaments. Er gilt den Christen als der letzte der Propheten. Seine Mutter war Elisabeth, eine Verwandte der Maria, der Mutter Jesu. Folglich war Johannes der Täufer ebenfalls ein naher Verwandter Jesu (lk 1,13-17 und lk 1,36). Erwachsengeworden predigte Johannes im Israel der Zeitenwende vom nahenden Gottesreich: "Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war" (joh 1,15) und mahnte zur Umkehr.
Er lebte sehr bescheiden, bekleidete sich mit einem Fell aus Kamelhaaren und ernährte sich von Heuschrecken und Honig. Die Juden verehrten ihn als neuen Elija, einem ihrer bedeutendsten Propheten und ließen sich von ihm taufen. Er taufte auch Jesus und erkannte in ihm den erwarteten Messias.
Johannes beklagte lautstark das sündige Leben des jüdischen Königs Herodes. Er sah es als Unrecht an, dass dieser nach dem Tod des Bruders dessen Witwe Herodias heiratete. Dafür wurde Johannes als Aufrührer verhaftet und in den Kerker geworfen.
König Herodes hatte eine schöne Stieftochter. Um sie zum Tanz zu überreden, erfüllte er ihren Wunsch und ließ Johannes den Täufer enthaupten. Sein Kopf wurde ihr auf einer Schale gereicht. Danach wurde Johannes von seinen Anhängern begraben.
Johannes der Täufer ist nicht zu verwechseln mit:
- Johannes, dem Jünger Jesu und einer der zwölf Apostel
- Johannes, dem Autor des Johannesevangeliums
- Johannes, dem Autor der Johannesoffenbarung
Johannestag und Weihnachten
Johannes der Täufer ist eine der wichtigsten Figuren im Neuen Testament und damit auch im Kirchenjahr. Das zeigt sich vor allem darin, dass Weihnachten, die Feier der Geburt Jesu, am 24.12.1 gefeiert wird, also drei Tage nach der Wintersonnenwende (21.12.).
Wohingegen das Johannesfest, also das Fest zu Ehren der Geburt von Johannes dem Täufer, am 24.6. zelebriert wird, also drei Tage nach der Sommersonnenwende (21.6.). Beide Geburtstage liegen damit exakt ein halbes Jahr auseinander, was die Gegenseitigkeit der beiden Figuren am augenfälligsten hervorhebt und zudem beide Figuren mit der Sonne, einem Symbol des Lichts in Zusammenhang bringt.
1 Da Jesus der Bibel folgend in der Nacht geboren wurde, also ohne Angabe einer Uhrzeit (am Abend des Vortages oder vor dem Beginn des Morgens am folgenden Tag) kann nicht genau bestimmt werden, ob Jesus nun am 24. oder am 25.12. geboren wurde, zumal das Datum von der Kirche nur symbolisch festgelegt wurde. Im Zusammenspiel mit dem Datum des Johannisfestes, wird der von der Kirche ursprünglich beabsichtigte astronomische Zusammenhang jedoch klar: Es soll sich um zwei Feste handeln, die im Zusammenhang stehen mit den beiden Sonnenwenden im Sommer und Winter.
Schutzheiliger von Florenz
Johannes der Täufer ist seit jeher der Schutzheilige von Florenz. Leonardo da Vincis Biografie ist eng mit dieser Stadt verbunden. Er ist in Florenz aufgewachsen und ausgebildet worden, sein Vater lebte in der Stadt, dort übernahm er erste Auftragsarbeiten. Zwar verließ Leonardo Florenz mit ca. 30 Jahren, kehrte später aber immer wieder dorthin zurück.
Johannes Darstellungen in der Malerei
Die im Neuen Testament aufgeführten Lebensstationen von Johannes dem Täufer wurden in der Geschichte der Malerei sehr oft thematisiert: Jesus und Johannes spielend als Knaben, Johannes in der Wüste, der predigende Johannes, die Taufe Christi und schließlich die Enthauptung.
Daneben waren ikonografische Darstellungen vom Heiligen Johannes dem Täufer in zahlreichen Variationen sehr verbreitet. Leonardos Gemälde fällt in diese Kategorie.