Das letzte Abendmahl – Keyvisual

Das letzte Abendmahl

Das letzte Abendmahl ist das einzige erhalten gebliebene Wandgemälde des Universalgenies Leonardo da Vinci. Es wurde um 1498 vollendet und zeigt die Szene in der Jesus seinen Jüngern verkündet, dass einer von ihnen ihn verraten wird. Das Gemälde befindet sich im ehemaligen Speisesaal der Mönche des Klosters Santa Maria delle Grazie in Mailand.

Als die Stunde gekommen war, setzte er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis es seine Erfüllung findet im Reich Gottes. Und er nahm einen Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt diesen und teilt ihn untereinander! Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert, ist mit mir am Tisch. Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er ausgeliefert wird! Da fragte einer den andern, wer von ihnen das wohl sei, der dies tun werde.

Lukas Evangelium (Einheitsübersetzung), Kapitel 22, Vers 14-23
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Das letzte Abendmahl mit umgebender Architektur – Leonardo da Vinci
Das letzte Abendmahl mit umgebender Architektur – Leonardo da Vinci

Wer kein Mathematiker ist, der möge meine Prinzipien nicht lesen.

Leonardo da Vinci, aus "Buch über die Malerei", in Anlehnung an die legendäre Inschrift am Eingang von Platons Akademie "Ohne Kenntnis der Geometrie soll keiner eintreten"
um 1483 122 × 199 cm Felsgrotten-
madonna
um 1490 39 × 53 cm Die Dame mit
dem Hermelin
um 1490 45 × 63 cm La Belle Ferroniere
um 1495-1498 9,04 × 4,22 m Das Abendmahl
ab 1501 130 × 168 cm Anna Selbdritt
ab 1503 53 × 77 cm Mona Lisa
ab 1513 56 × 73 cm Johannes
der Täufer
Dame mit dem Hermelin – Leonardo da Vinci
Johannes der Täufer – Leonardo da Vinci
Mona Lisa – Leonardo da Vinci
La Belle Ferroniere – Leonardo da Vinci
Felsgrottenmadonna – Leonardo da Vinci
Anna Selbdritt – Leonardo da Vinci
Leonardo da Vinci - Anbetung der Könige
Leonardo da Vinci - Der heilige Hieronymus
Tavola Doria - Leonardo da Vinci
Das letzte Abendmahl mit umgebender Architektur – Leonardo da Vinci
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Die 12 Jünger Jesu sind in zwei Vierergruppen zu je drei Personen angeordnet. Jesus befindet sich in der Bildmitte. Kopf und Hände spannen ein gleichseitiges Dreieck auf. Leonardo verweist so auf Mathematik und Geometrie. Dei Zahl 12 ergibt sich aus = 2 Seiten (links und rechts) * jeweils 2 Gruppen * 3 Personen pro Gruppe. Das gleichseitige Dreieck um Jesus wird als besonders harmonisch empfunden.

I

Das Gemälde lässt sich in 12 gleich große Quadrate einteilen. Es im Seitenverhältnis 4:3 angelegt. Oft wird übersehen, dass die drei Lünetten oberhalb des Gemäldes ebenso zum Werk gehören (gelbe Fläche). Sie zeigen die Wappen der Familie des auftraggebenden Herzogs von Mailand. Die Architektur des Bildraums teilt das Werk horizontal in drei gleich große Abschnitte (Mouseover)

II

Die oberen drei Lünetten sind im Verhältnis 2:3 angelegt (schwarze und weiße Linien oben). Es entstehen sieben gleich große Einheiten. Der Fluchtpunkt der Perspektivlinien liegt in der rechten Schläfe des Jesus, nicht im Auge, wie oft behauptet wird (gelbe Linien). An der Stelle befindet sich noch die Spur eines Nagels, den Leonardo nutzte, um die Fäden zu spannen. Die Perspektivlinien der Fenster sind als einzige nicht achsensymetrisch (orange Linien). Ihr Winkel beträgt 15° und 4°, Leonardo wurde am 15.04. geboren. Die unteren Perspektivlinien teilen den unteren Bildrand in sieben gleich große Abschnitte (schwarze und weiße Linien). Bei Mouseover sind die Ursprünge der Perspektivlinien besser zu erkennen. Die untere Tür wurde 1652 eingezogen, das Gemälde dabei in Teilen zerstört. Dadurch sind zwei der sechs Verzierungslinien am Boden nicht mehr zu erkennen, sie sind aber aus frühen Kopien bekannt.

III

Gezeigt wird die Rekonstruktion des Bildraums. Der Raum ist doppelt so lang, wie er breit ist. Die Fenster der hinteren Wand werden durch die Horizontlinie in zwei Quadrate geteilt. Die Tür wird vom Horizont der Höhe nach im goldenen Schnitt geteilt. An der Decke befinden sich Holzbalken, die 72 Quadrate formen. Das spielt auf die Aussendung der 72 Jünger durch Jesus an (lk 10,1). Sie sind angeordnet in zwölfmal sechs Reihen.

IV

Leonardo hat auch bei der Gestaltung der Seitenwände auf harmonische Proportionen geachtet. Die Fensterreihen auf der linken Seite liegen höher, als auf der rechten. Die markanten dunklen Flächen sind Wandbehänge. Deren obere Kante ist von der oberen Kante der Fenster auf der rechten Seite doppelt soweit entfernt, wie auf der linken Seite (schwarze und weiße Kacheln). Die unteren Kanten der Fenster sind durch die Figuren verdeckt, doch hinsichtlich der Fenster der hinteren Wand kann angenommen werden, dass auch sie ein Quadrat als Grundform haben (gelbe Rahmen). Aus dem stetigen Muster der Vierteilung lässt sich auch die Höhe der Wandbehänge schlussfolgern.
Ebenfalls viergeteilt ist das Tischtuch. Es ist horizontal durch 16 Falten unterteilt (schwarze und weiße Kacheln). Der Abstand der Falten entspricht ziemlich genau der Höhe des Tischtuchs. Die Breite des Tischtuchs entspricht vier Abständen der Falten. Das Tischtuch kann so auch als 16 Würfel in vier hintereinander liegenden Reihen betrachtet werden.
Insgesamt entsteht der Eindruck Leonardo möchte von den vertikal viergliedrigen Fensterreihen (1D) über die zweidimensionalen Wandflächen das dreidimensionale Tischtuch betonen. Werden die Quadrate der Fensterreihen (4*6), die viergeteilten blauen Flächen der Seitenwände (4*8) und die Würfel des Tischtuchs addiert, ergibt sich erneut 72.

V

Die schematische Rekonstruktion des Bildraums.

VI

Das Leonardo den Jesus vor der Tür platziert, spielt auf ein Gleichnis im Neuen Testament an: „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden.“ (Joh 10,9)
Daneben gibt es weitere geometrische Zusammenhänge. Wird der Rundbogen über der Tür ausgeführt, befindet sich der Mittelpunkt im Fluchtpunkt (gelber Punkt). Dieser Kreis tangiert exakt das linke und rechte Fenster, sowie die untere Kante der Tür (gelber Kreis). Auch teilt er die dahinterliegende Wand der Höhe nach in drei gleich große Teile (weiße Linien).
Der äußere Rahmen der Tür ist im Seitenverhältnis von 3:4 angelegt und wird der Höhe nach im goldenen Schnitt geteilt. Der innere Rahmen der Tür ist ein goldenes Rechteck, d.h. Breite und Höhe stehen im Verhältnis des goldenen Schnitts. Zudem teilt die Horizontlinie den inneren Rahmen des goldenen Rechtecks der Höhe nach in drei gleich hohe Teile (weiße vertikale Linie). Die geometrische Konstruktion ist bereits hier außergewöhnlich kunstvoll.

VII

Der universale Geist Leonardos zeigt sich hier besonders klar. Die obere Kante der Tür teilt die dahinterliegende Wand genau auf halber Höhe (mittlere weiße Horizontale). Die dreigeteilte Höhe des inneren Türrahmens kann entlang der weißen Horizontale nach oben gespiegelt werden. Die Höhe der hinteren Wand wird nun von insgesamt sechs gleich langen Strecken unterteilt (schwarze und weiße Punkte). Zwischen der horizontalen Spiegelachse und dem oberen Ende des Zierbogens kann die Strecke genau mittig geteilt werden (blauer Punkt) und noch ein weiteres Mal zwischen dem unterem Ende des Zierbogens und der Spiegelachse (orangener Punkt). So lassen sich neun Punkte ausmachen, die mit Blick auf den Bogen um die Tür (gelber äußerer Kreis) als Radien um den Fluchtpunkt aufgefasst werden können (schwarze Kreise).
Es entsteht der Eindruck einer astronomischen Skizze. Diese Vermutung wird verstärkt durch den äußeren Kreis, dem nach links und rechts etwa 10% zum Wandende fehlen (blaue Flächen). Zehn Prozent entspricht der durchschnittlichen Abweichung von sonnenfernster und sonnennächster Entfernung der Planeten unseres Sonnensystems. Die Planetenbahnen sind daher nicht kreisförmig, sondern elliptisch (Mouseover). Leonardo zeichnet sechs Kreise. Bis 1781 waren seit der Antike nur die ersten sechs inneren und mit bloßem Auge erkennbaren Planeten bekannt, bis dank leistungsfähigerer Teleskope die heute bekannten acht Planeten entdeckt wurden.

VIII

Die astronomische Skizze aus VII kann durch Absenkung des Bodens nach unten erweitert werden, um die in VII verdeckten unteren Enden der Kreise zu erkennen. Dabei kommt es erstaunlicherweise zu genauen Überlagerungen der zwei Ebenen im Bodenbereich (blaue und gelbe Linie am Boden). Wird der Raum der Tiefe nach in vier gleich große Abschnitte geteilt – pro Seitenwand gibt es vier markante Wandbehänge – fällt auf, dass die zwei teilweise verdeckten Kreise aus VII exakt auf den Abschnitten des viergeteilten Boden aufsetzen (untere Kante der blauen und gelben Kreise). Allerdings sind zwei dieser Linien nicht besetzt.
Dazu können zwei weitere Kreise sinnvoll ergänzt werden. Ein erster direkt im Vordergrund. Seine Unterkante ist definiert durch die Einteilung des Bodens in Viertel. Die Oberkante des Kreises grenzt genau an der Linie der Mitte des Bildraums (gelbe Linie oben). Die Unterkante eines weiteren Kreises ist auch hier definiert durch die Einteilung des Bodens in Viertel (unterer oranger Punkt). Der Radius dieses Kreises wird bestätigt durch einen zweiten Punkt, der bereits aus I bekannt ist. Eine seltsame Form links über der Tür, die sich auch im rechten unteren Vordergrund des Gemäldes wiederholt. Dass dieser Punkt mit Bedacht gewählt worden ist, zeigt sich, wenn man die Punkte des 5., 6. und 7. Rings miteinander verbindet (Mouseover). Es entsteht ein Dreieck mit den Innenwinkeln von 108°, 54° und 18°. Die Zahlen sind zunächst harmonisch: 108°:2 = 54° und 54°:3 = 18°. Zugleich stehen alle drei Winkel mit dem regelmäßigen 5-Eck in Verbindung. Leonardo hat so in meisterhafter Art acht Kreise konstruiert. Das ist umso bemerkenswerter, da dies verschiedene Dimensionen verbindet (1D, 2D und 3D).

IX

Wenn der Boden abgesenkt wurde, könnte die Decke ebenso angehoben werden. Wird sie um die Höhe des Tischtuchs angehoben, verändern die halben Seitenwände und die hintere Wand ihr Seitenverhältnis in harmonische 4:3 (blaue und gelbe Flächen). Die Seitenwände insgesamt sind nun 3:8 hoch, also Fibonacci Zahlen und somit nahe am goldenen Schnitt (orange Linien). Alle Wände des Raums sind nun in einem harmonischen Maß. Die hintere Wand hat zudem dasselbe Seitenverhältnis wie das Gemälde selbst. Leonardo hat insgesamt an exakt zwei Wandgemälden gearbeitet. Neben dem Abendmahl an der Schlacht von Anghiari. Auch dieses Werk war auf 4:3 angelegt und sollte ebenso riesige Dimensionen haben wie das Abendmahl. Wird die Form der Dekoration der Seitenwände herangezogen, ergibt sich vor allem durch die Wandbehänge der Eindruck einer Galerie mit freien Wandflächen. Wenn Leonardo die hintere Wand passend zum Abendmahl konstruiert hat, liegt der Gedanke nah auch seine anderen zweifelsfrei echten Gemälde einzupassen. Ordnet man diese nach dem Datum der Entstehung an, fällt auf, dass das Abendmahl auch chronologisch das zentrale Werk ist. Zudem ergibt sich ein Muster in den Größenverhältnissen. Einem großen Werk folgten zwei kleine. Alle Gemälde sind in ihrem originalen Größenverhältnis dargestellt, ausgehend vom Abendmahl als größtem Werk. Links und rechts vom Abendmahl werden insgesamt sechs Gemälde gezeigt. Zwei unvollendete Werke passen noch nicht ins Bild, der heilige Hieronymus und die Anbetung der Könige (Mouseover). Die Schlacht von Anghiari wurde vermutlich unvollendet zugemauert und ist seither verschollen. Jedoch blieb eine Studie erhalten.

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Das große Finale, Coming Soon

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Bildbeschreibung

Coming soon

Downloads

Quellen

Website des ausstellenden Museums: Santa Maria delle Grazie, Mailand

Frank Zöllner, Leonardo, Taschen (2019)

Martin Kemp, Leonardo, C.H. Beck (2008)

Charles Niccholl, Leonardo da Vinci: Die Biographie, Fischer (2019)

Johannes Itten, Bildanalysen, Ravensburger (1988)

Die Bibel, Einheitsübersetzung, Altes und Neues Testament, Pattloch Verlag (1992)

Euklid, Die Elemente, Verlag Europa Lehrmittel (2015)

Luca Pacioli, Divina Proportione, Die Lehre vom goldenen Schnitt, Forgotten Books (2018)

Stephen Hawking, Das Universum in der Nussschale, Hoffmann und Campe (2001)

Besonders empfehlenswert

Marianne Schneider, Das große Leonardo Buch – Sein Leben und Werk in Zeugnissen, Selbstzeugnissen und Dokumenten, Schirmer/ Mosel (2019)

Leonardo da Vinci, Schriften zur Malerei und sämtliche Gemälde, Schirmer/ Mosel (2011)

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