Mona Lisa – Leonardo da Vinci

Bisweilen aber vereinigen sich in einer einzigen Person Schönheit, Liebenswürdigkeit und Tugend auf so höchste Weise, dass, wohin jene sich auch wendet, jede ihrer Handlungen göttlich erscheint, alle anderen Sterblichen hinter ihr zurückbleiben und sich deutlich offenbart: ihre Leistung ist von Gott gespendet, nicht aber durch menschliches Können errungen. Dies erkannte man bei Leonardo da Vinci, der außer der nie genug gerühmten körperlichen Schönheit, in allem was er tat, eine mehr als unendliche Anmut hatte.

Giorgio Vasari in "Die Leben der hervorragendsten Maler, Bildhauer und Architekten", 1550

Leonardo da Vinci

Wer war Leonardo da Vinci?

Leonardo da Vinci war ein berühmter Künstler, Erfinder und Wissenschaftler, der während der Renaissance in Italien lebte. Er ist vor allem für seine Gemälde, wie die "Mona Lisa" und "Das letzte Abendmahl", bekannt, aber er war auch ein talentierter Erfinder und hat wichtige Beiträge in den Bereichen Anatomie und Ingenieurwesen geleistet. Leonardo war ein wahrer Renaissance-Mann mit einer Vielzahl von Interessen und einer großen Neugier auf die Welt um ihn herum. Er gilt oft als eines der größten Genies der Geschichte.

Welche Nationalität hatte Leonardo da Vinci?

Leonardo da Vinci war Italiener. Er wurde in der Stadt Vinci in der Toskana geboren und verbrachte den Großteil seines Lebens in Italien. Er lebte in Florenz, Mailand und Rom. Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte er in Amboise, Frankreich.

Wann lebte Leonardo da Vinci?

Leonardo da Vinci lebte von 1452 bis 1519, also vor ungefähr 550 Jahren. Die Epoche in der er lebte, wird heute als Renaissance bezeichnet. Die Renaissance (frz. 'Wiedergeburt') begann im 14. und 15. Jahrhundert in Italien und meint die Wiederentdeckung des eigentlich verlorengeglaubten Wissens der griechischen und römischen Antike. Zum Beispiel wurden bei Bauarbeiten hochwertige antike Statuen entdeckt, alte Schriften der griechischen Philosophen wurden in den Bibiliotheken gefunden und es wurde sich an die Ingenieurleistungen antiker römischer Baumeister erinnert. Die Menschen der Renaissance versuchten dann die antiken Vorbilder zu übertreffen. Die Renaissance war geprägt von diesem neuen Interesse an der Antike und der klassischen Kultur, dem Fokus auf individuelle Freiheit und menschlichen Fähigkeiten, sowie der Betonung von rationalem Denken und wissenschaftlicher Erkenntnis. Die Renaissance wurde dann zu einer kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Bewegung, die sich von Italien ausgehend auf ganz Europa ausbreitete. Die Renaissance führte zu zahlreichen bedeutenden Fortschritten in den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Architektur und Philosophie und hat die westliche Kultur nachhaltig geprägt. Neben Leonardo sind Donatello, Michelangelo und Raffael berühmte Künstler der Renaissance.

Wie sah Leonardo da Vinci aus?

Es gibt keine zeitgenössischen Porträts, die als gesicherte Darstellungen Leonardo da Vincis gelten. Es gibt jedoch einige Beschreibungen von ihm, die darauf hinweisen, dass er groß und gutaussehend war. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Beschreibungen auf Berichten aus zweiter Hand basieren und daher nicht unbedingt genau sein müssen. Aus Leonardos Notizbüchern ist bekannt, dass er sich in edlen Gewändern kleidete und auf Sauberkeit und eine gepflegte Erscheinung großen Wert legte. Obwohl es kein gesichertes Porträt von ihm gibt, werden häufig diese drei Darstellungen als Bildnisse Leonardos angenommen.

Wie hieß Leonardo da Vinci wirklich?

Leonardos vollständiger Name lautet Lionardo di Ser Piero da Vinci

  • Lionardo ist die italienische Form von Leonardo. Seine erste datierbare Zeichnung von 1473 ("Zeichnung einer Landschaft") signierte er mit Leonardo
  • in Italien war es üblich, nach dem Vornamen den Vornamen des Vaters anzugeben. Leonardos Vater hieß Piero, daher Lionardo di Ser Piero da Vinci (ital. 'von Piero')
  • die Familie Leonardos besaß seit mehreren Generationen Land in dem Ort Vinci bei Florenz, das sie verpachteten. Die Familie führte daher den Namenszusatz da Vinci (ital. 'aus Vinci'). Sie waren nicht adelig
  • "Messer" (ital. 'Mein Herr') oder kurz "Ser" war in Italien ein Ehrentitel, den praktizierende Juristen führten. Leonardos Vater Piero war Notar in Florenz. "Lionardo di Ser Piero da Vinci" bedeutet also "Lionardo, Sohn des Juristen Piero aus Vinci"

Vermutlich mit Abschluss der Ausbildung nannte er sich nur noch Leonardo da Vinci. Wie andere Renaissancekünstler, z.B. Michelangelo oder Raffael, wird Leonardo da Vinci meist nur mit seinem Vornamen genannt, Leonardo.

Steckbrief zu Leonardo da Vinci

Allgemeine Angaben
Vorname Leonardo
Nachname da Vinci
Initialen L D V (zufälllig die römischen Ziffern für 50, 500 und 5, addiert 555)
Geburtsname Lionardo di Ser Piero da Vinci
Geboren 15.04.1452 in einem Bauernhaus bei Vinci, Italien
Taufdatum 16.04.1452 in der Pfarrkirche Santa Croce in Vinci, Italien
Sternzeichen Widder
Nationalität Italiener (Republik Florenz)
Epoche Renaissance
Beruf Maler, Bildhauer, Architekt, Ingenieur, Wissenschaftler
Lehrer Andrea del Verrocchio (Bildende Künste)
Mitschüler Sandro Botticelli, Lorenzo di Credi, Perugino
Verstorben 02.05.1519, im Alter von 67 Jahren
Sterbeort auf Schloss Cloux in Amboise, Frankreich
Grabstätte Friedhof der Kirche St. Florentin, Amboise, genaue Lage heute unbekannt
Familie
Eltern uneheliches Kind einer Affäre von Ser Piero da Vinci (Notar) mit Caterina (Bauernmädchen)
Geschwister 17 Halbbrüder und -schwestern (12 väterlicherseits, 5 mütterlicherseits)
Familienstand unverheiratet
Nachkommen Keine
Besonderheiten
Ernährungsweise Vegetarier
Handschrift Linkshänder; schrieb stets in Spiegelschrift, vermutlich um die Tinte nicht zu verwischen
Werke
Malerei Felsgrottenmadonna, Dame mit Hermelin, Belle Ferroniere, Das letzte Abendmahl, Anna Selbdritt, Mona Lisa, Johannes der Täufer, Vitruvianischer Mensch
Erfindungen Fluggeräte, Helikopter, Fallschirm, Automobil und mechanische Roboter mit Zugfederantrieb, Panzer und vieles mehr
Schriften Buch von der Malerei, Kodex über den Vogelflug, Diverse wissenschaftliche Aufzeichnungen ( Codex Atlanticus, Codex Leicester u.v.m.)
Schüler Francesco Melzi, Jacopo da Pontormo, Andrea Solari, Bernardino Luini, Giovanni Antonio Boltraffio
Wissensgebiete
Biologie Anatomie, Botanik
Mathematik Geometrie, Arithmetik
Physik Optik, Astronomie, Mechanik, Maschinenbau, Hydraulik, Strömungsmechanik
Sprachen Italienisch, Latein und Französisch
Künste Malerei, Bildhauerei, Dichtung, Gesang, diverse Musikinstrumente
Zeitgeschehen
Ereignisse Erfindung des Buchdrucks, Entwicklung des heliozentrischen Weltbildes, Entdeckung Amerikas, Reformation
Zeitgenossen Johannes Gutenberg, Nikolaus Kopernikus, Christopher Kolumbus, Martin Luther
Lebenslauf
15.04.1452 Geburt in Vinci
1452-1464 Kindheit auf dem Bauernhof des Großvaters in Vinci
1464-1468 Umzug zum Vater nach Florenz
1468-1472 Ausbildung bei Andrea del Verrocchio zum Maler, Bildhauer, Architekt und Ingenieur, Florenz
1472 Abschluss der Ausbildung im Meistergrad und Aufnahme in die Malergilde von Florenz
1472-1478 Angestellter Maler und Ingenieur bei Andrea del Verrocchio, Florenz
1478-1482 Selbstständiger Maler und Ingenieur, Florenz
1482 Umzug nach Mailand
1482-1487 Selbstständiger Maler und Ingenieur, Mailand
1487-1499 Hofkünstler und Ingenieur des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza, Mailand
1500-1502 Selbstständiger Maler und Ingenieur, Mantua, Venedig, Florenz
1502-1503 Kriegsingenieur und Kartograph für den Befehlshaber der Papstarmee Cesare Borgia, Mittelitalien
1503-1508 Selbstständiger Maler und Ingenieur, Florenz und Mailand
1508-1512 Hofkünstler und Ingenieur des französischen Statthalters Charles II. d’Amboise, Mailand
1513-1516 Hofkünstler und Ingenieur von Papst Leo X., Rom
1516-1519 Hofkünstler und Ingenieur des französischen Königs Franz I., Amboise
02.05.1519 Tod im Schloss Cloux, Amboise

 

Wie lebte Leonardo da Vinci?

Leonardo war ein uneheliches Kind. Nach damaliger Sitte wuchs er bei der Familie des Vaters auf und verbrachte seine Kindheit in dem idyllischen Dorf Vinci in der Toskana. Leonardos Vater aber wohnte im nahegelegenen Florenz und sah seinen Sohn kaum. Erst als Jugenlichen holte er ihn zu sich und ließ ihn in Florenz zum Künstler ausbilden. Nach harten Anfangsjahren begann Leonardos Karriere erst mit seinem 30. Lebensjahr. Da verließ er Florenz für fast zwanzig Jahre und brach nach Mailand auf. Leonardo wurde dort sehr vermögend und weltberühmt. In seinen späteren Jahren arbeitete er für den Papst in Rom und den französischen König. Als Leonardo in Frankreich starb, wurde er mit höchsten Ehren am Hof des französischen Königs beigesetzt. Über Leonardos Privatleben ist fast nichts bekannt. Obwohl er schön und von gutem Charakter war, blieb er unverheiratet und kinderlos. Daher wird oft behauptet, Leonardo war homosexuell.

Leonardos Malerei

Leonardo hat mit der Mona Lisa das teuerste Gemälde der Welt erschaffen (geschätzter Wert: über 1 Milliarde Dollar). Obwohl Leonardo bis heute als der beste Maler aller Zeiten gilt, hat er nur sehr wenige Bilder gemalt. Er hat seine Werke nicht signiert und so ist es sehr schwer, genau zu bestimmen, welche Bilder von ihm erschaffen wurden. Um 1900 wurden Leonardo noch ca. 100 Gemälde zugeschrieben. Doch durch immer genauere Untersuchungsmethoden, konnten Leonardos Werke auf heute nur noch 22 Gemälde eingegrenzt werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es tatsächlich noch weniger sind, denn auch davon gelten nur sieben als zweifesfrei echt. Fünf dieser Gemälde befinden sich im berühmten Louvre Museum in Paris. Ein kleines Porträt, die "Dame mit dem Hermelin" wird im polnischen Krakau ausgestellt. "Das letzte Abendmahl" ist eine Wandmalerei in einer kleinen Kirche in Mailand. Die sieben zweifelsfrei echten Gemälde werden hier vorgestellt.

Das Universalgenie

Leonardo da Vinci gilt heute als Inbegriff des Universalgenies. Sein umfangreiches technisches Verständnis, kombiniert mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, führten zu zahlreichen Erfindungen und Entdeckungen, die ihrer Zeit teilweise Jahrhunderte voraus waren. Zusammen mit Luca Pacioli, einem der einflussreichsten Mathematiker seiner Zeit, arbeitete Leonardo an einem Buch über Proportionen in der Natur. Weltberühmt ist die Zeichnung vom vitruvianischen Menschen, die vermutlich in diesem Zusammenhang entstand. Daneben hat Leonardo die größte Reiterskulptur der damaligen Welt erschaffen, jedoch nur als Gipsmodell in Originalgröße. Kurz vor dem finalen Guss wurde das dafür benötigte Bronze für Kanonen zweckenfremdet, das Gipsmodell im Krieg zerstört. Dagegen bezeugen Leonardos Fabeln anschaulich seine lebendige Sicht auf sämtliche Dinge in der Natur.

Leonardos experimentelle Vorgehensweise, die sich nur an der Erfahrung und nicht an den damals geltenden kirchlichen Dogmen orientieren sollte, macht Leonardo, noch vor Galileo Galilei, zum Begründer der modernen Wissenschaft. Auch in der Medizin tat Leonardo sich hervor. Er war der erste, der Menschen sezierte, um detailgetreue anatomische Zeichnungen anzufertigen. Doch nicht alles, was Leonardo erstrebte, gelang. Sein lebenslanger Traum vom Fliegen blieb vermutlich unerfüllt.

Was heute über Leonardos Ideen, Konstruktionen und Gedanken bekannt ist, kommt aus seinen erhalten gebliebenen Notizbüchern. Die ca. 6000 Seiten werden Codices genannt und sind nach ihren ehemaligen Besitzern oder dem derzeitigen Aufenthaltsort benannt. Sie werden zunehmend digitalisiert, übersetzt und zur freien Verfügung kostenlos online gestellt. Ein wunderbares Beispiel für eine moderne Auseinandersetzung mit Leonardos Gedankengängen ist die wissenschaftliche Edition des Codex Madrid von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (kurz RWTH Aachen), die Seite für Seite Leonardos Skizzen aus heutiger Sicht kommentiert.

Physik - Der Begründer der modernen Naturwissenschaft

Leonardos Wirken und seine Schriften hatten maßgeblichen Einfluss auf ihm nachfolgende Naturwissenschaftler. Es lässt sich bis in die Moderne kein großer Name finden, der sich nicht mit Leonardos Ideen beschäftigt hätte. Das hat seine Ursache darin, dass Leonardo auf jedem Gebiet forschte und dann vielfach der erste war, der alltägliche Dinge hinterfragte.

Seine wissenschaftliche Methode war revolutionär, weil er methodisch untersuchte. Fiel ihm etwas auf, dachte er über die Ursache nach, kam zu einer Erklärung und versuchte dann im Experiment die Vermutung zu beweisen. Er ging dabei sehr gewissentlich vor und versuchte aus den Experimenten allgemeine Gesetze abzuleiten. Allerdings war er nicht frei von Irrtümern, zum Beispiel, wenn er behauptete, dass am Meeresboden das Wasser süß wäre. Wie modern Leonardos Erkenntnisse waren zeigt sich an seinem Verständnis der Kosmologie. Leonardo nahm aufgrund eigener Messungen ganz selbstverständlich an, dass die Sonne der Mittelpunkt unseres Planetensystems ist. Er notiert sich nur knapp: "Die Sonne bewegt sich nicht".

Leonardos Einfluss auf Galilei

Galileo Galilei wirkte etwa 100 Jahre nach Leonardo und lebte ab seinem 46. Lebensjahr in Florenz, der Heimatstadt Leonardos. Galileis legendäre Wirkung auf die Wissenschaft ist unbestritten, liest sich im Detail allerdings wie eine Fortsetzung der Arbeiten Leonardos, fast so als hätte er sich thematisch direkt an Leonardos Schriften orientiert. Einige Beispiele:

  • Galileis Methode, die Natur durch die Kombination von Experimenten, Messungen und mathematischen Analysen zu erforschen geht auf Leonardo zurück, der das Prinzip bereits 100 Jahre vor ihm anwandte
  • Galileis Untersuchungen des freien Falls und der Wirkung von Kräften sind Fortsetzungen von Experimenten, die Leonardo in Rom durchgeführt hat (1513-1516)
  • Ebenso verhält es sich mit Galileis optischen Experimenten. Fernrohre zur Himmelsbeobachtung wurden erst Anfang 1600 erfunden. Leonardo plante aber bereits um 1513 in Rom mit Hilfe deutscher Spiegelmacher das erste Spiegelteleskop zu bauen (Hohlspiegel). Es sollte im Durchmesser mehrere Meter groß werden und der Himmelsbeobachtung dienen. In Briefen an den Bruder des Papstes beschwert sich Leonardo jedoch, dass die deutschen Spiegelmacher ihrer Arbeit nicht nachkommen. Leonardo verließ den Hof des Papstes in Rom nach nur drei Jahren und das gewaltige Teleskop blieb unvollendet. Der technische Plan zur Herstellung des Apparats hat sich erhalten
  • Galileo ist unter anderem für die Untersuchung des Strömungsverhaltens von Flüssigkeiten bekannt. Auch hier war Leonardo seit der Antike der erste, der sich mit dem Thema beschäftigte und zahlreiche Überlegungen dazu hinterließ

Das sind nur wenige Beispiele von vielen, die Leonardos Einfluss auf die Geschichte der neuzeitlichen Physik deutlich machen.

Die Sonne bewegt sich nicht

Leonardo da Vinci, 100 Jahre vor Galileo Galilei

Biologie - Die ersten anatomischen Zeichnungen

Leonardo war der erste, der anatomisch korrekte Zeichnungen von Menschen und Tieren anfertigte. Nach eigener Aussage sezierte er dafür etwa 30 Personen. Das geschah vermutlich heimlich, denn zum Ende des 15.Jh. war es aufgrund kirchlicher Dogmen verboten, Leichen zu öffnen, doch es gab Ausnahmen. Zum Beispiel waren Sezierungen an medizinischen Hochschulen erlaubt. Sie wurden jedoch nur selten durchgeführt, waren dann aber ein besonderes Ereignis für die Studierenden.

Zusammen mit dem Medizinprofessor Marcantonio della Torre, der an der Universität von Padua lehrte, plante Leonardo ein Buch über die menschliche Anatomie. Das Buch wurde nicht veröffentlicht, da der Professor bereits in jungen Jahren an der Pest starb (1511). Viele der anatomischen Zeichnungen aus dieser Zeit sind erhalten geblieben. Leonardo war der erste, der die Anatomie von Tieren und Menschen verglich und dabei deren Ähnlichkeit feststellte.

Leonardos anatomische Skizzen sind nicht immer fehlerfrei. So zeigt eine Darstellung des Geschlechtsakts eine direkte Verbindung von Brustwarze und Gebärmutter. Ob es sich in solchen Fällen wirklich um Fehler des stets sehr präzise arbeitenden Leonardos handelte oder aber wissende Scherze, bleibt unklar. Leonardo trennte nie zwischen Wissenschaft und Kunst.

Mathematik - Die Ästhetik der Geometrie

Allen Gemälden Leonardos gleich ist die verborgene Sprache der Geometrie. Leonardo konstruierte seine Gemälde auf der Grundlage geometrischer Proportionen, Formen und Muster, die ihren Ursprung in der antiken Kunst der Geometrie haben. Leonardo ging davon aus, dass alles in der Natur, also Kosmos und Atome auf einfachste Proportionen zurückzuführen sei und er untersuchte diese Beziehungen.

Luca Pacioli und Leonardo da Vinci

Um 1498 wurde der zu der Zeit bedeutende Mathematiker Luca Pacioli vom Mailänder Herzog nach Mailand eingeladen. Leonardo war zur selben Zeit am Mailänder Hof tätig und so lernte er Luca Pacioli kennen. Sie begannen an gemeinsamen Projekten zu arbeiten.

Die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft waren zu der Zeit fließend. Das galt auch für Luca Pacioli. Luca Pacioli war ein Schüler des Ausnahmemalers Piero della Francesca. Della Francesca führte zeitgleich mit dem Maler Masaccio die Zentralperspektive in die Malerei ein. Er schrieb darüber hinaus auch zahlreiche mathematische Abhandlungen über die Geometrie. Diese Arbeit führte sein Schüler Pacioli fort. Heute noch bedeutend ist Paciolis Buch über die doppelte Buchführung, das die erste vollständige Zusammenfassung dieser Methode darstellt. Daneben schrieb er ein verschollenes Buch über das Schachspiel, das von Leonardo illustriert worden sein soll. Auch eine Zusammenfassung der damals bekannten Algebra stammt von ihm.

"Divina Proportione" (Göttliche Harmonie)

Als Pacioli 1498 sein einflussreiches Buch "Divina Proportione" (Göttliche Harmonie) herausbringen wollte, bat er Leonardo die Illustrationen dafür anzufertigen. Leonardo zeichnete insgesamt 60 geometrische Figuren für das Manuskript des Buches, das sich im Wesentlichen mit geometrischen Proportionen, wie dem goldenen Schnitt und deren Anwendungen beschäftigt. Pacioli untersucht in diesem Buch auch die Lehren des antiken Baumeisters Vitruv, nach dem Leonardos vitruvianischer Mensch benannt ist. Außerdem enthielt es einen mathematischen Aufsatz seines inzwischen verstorbenen Lehrers Piero della Francesca.

Von dem Buch wurden insgesamt drei Manuskripte als besonders schöne Probeexemplare für adelige Geldgeber angefertigt, so ging eines an den Herzog von Mailand. Das dritte gilt als verschollen. Die verbliebenen zwei Bücher befinden sich in Mailand und Genf. Die unteren Abbildungen stammen aus der Mailänder Version, die insgesamt als besser erhalten gilt. Die ebenfalls bemalte Rückseite ist durchzusehen. Für die gedruckten Ausgaben des Buches wurden die Tafeln nicht mehr handgefertigt, sondern nach Leonardos Vorlage gedruckt.

Der mathematische Scherz Leonardos

Leonardo hat einen Fehler in der Numerierung der Tafeln eingebaut. Im Inhaltsverzeichnis der Tafeln wird mit römischen Ziffern folgende Numerierung gezeigt:

41 (Die Kugel), 1, 2, 3,..., 39, 40(Septuaginta Duarum), 43, 44,..., 60, 61

Die Numerierung geht bis 61, gezeigt werden aber nur 60 Tafeln. Es fehlt die Tafel 42.

Ursache dafür ist, dass die Kugel, die einzige Figur der Tafeln, die kein Polyeder ist, im Inhaltsverzeichnis an erster Stelle geführt wird, aber als Tafel 41 bezeichnet wird. Im Inhaltsverzeichnis folgt dann auf die 40, die 43. Doch eigentlich müsste die 42 folgen, da die Tafel 41 mit der Kugel bereits an erster Stelle geführt wird. Die falsche Nummerierung setzt sich dann fort bis zur 61. So wird bis 61 gezählt, obwohl es insgesamt nur 60 Tafeln sind.

Ein zufälliger Fehler?

Es kann davon ausgegangen werden, dass weder dem Mathematiker Pacioli noch dem sehr gründlich arbeitenden Leonardo der Fehler unbemerkt geblieben wäre. Es handelt sich daher vermutlich um einen der für Leonardo typischen Scherze.

Erster Hinweis: Der vorletzte Polyeder, der noch richtig numeriert ist, ist der Septuaginta Duarum mit 72 Flächen (rechte Abbildung). Paciolis Buch stellt den goldenen Schnitt in den Vordergrund. Der symbolträchtige 72° Winkel ist der Mittelpunktswinkel des regelmäßigen Fünfecks, das nur mit Kenntnis des goldenen Schnitts konstruiert werden kann.

Zweiter Hinweis: Auf die vorletzte Tafel 40 mit der 72-flächigen Figur folgt die letzte richtig numerierte Tafel 41 mit der Kugel. Die Ähnlichkeit beider Figuren ist nicht zufällig. Geometrie ist das altgriechische Wort für 'Vermessung der Erde' (Geo 'Erde', metron 'messen'). Die Erde wird vermessen, indem sie mit einem Gitternetz überzogen wird. Für eine Deutung der Tafel 41, also der Kugel als Erde, spricht ebenfalls der Punkt an dem die Kugel aufgehängt wurde. Der Winkel lässt sich über den (Ko)Sinus berechnen und entspricht ca. 22°, also der damaligen Neigung der Erdachse. Der Aufhängepunkt der geometrischen Figuren ist verschieden.

Kunst - Die Natur im Blick

Leonardo war ein begnadeter Zeichner. Seine Zeichnungen nach der Natur gelten als die schönsten in der Kunstgeschichte. Er war der erste, der die Natur in den Vordergrund seiner Beobachtung stellte. Leonardo lehnte es ab, wie seinerzeit üblich, im Atelier die Werke anderer zu kopieren. Er zeichnete stets nach Vorbildern aus der realen Welt. Eine Quelle berichtet, dass er das Haus nie ohne ein Notizbuch verließ.

Leonardo da Vinci - Zeichnung einer Landschaft
Zeichnung einer Landschaft, Leonardo da Vinci, 1473, Tinte auf Papier
Die Zeichnung ist die erste bekannte Zeichnung der Kunstgeschichte, die ausschließlich eine Landschaft zeigt. Bis dahin war es üblich die Landschaft lediglich als Beiwerk von Porträts oder religiösen Szenen zu zeigen. Es ist bemerkenswert, dass diese Landschaft in der Wirklichkeit so nicht existiert, aber Teile davon. Leonardo hat also verschiedene Ansichten seiner Heimat zu einem Bild verdichtet. Diese Zeichnung ist außerdem das erste datierbare Werk Leonardos, er war 21 Jahre alt. Das Blatt ist links oben spiegelverkehrt beschriftet mit "Tag der Heiligen Maria im Schnee, am Tag 5. August 1473". Unten rechts ist es mit "Leonardo" in normaler Schreibrichtung signiert.

Leonardos Flugversuche

Leonardo beschäftige sich zeitlebens damit, ein Fluggerät zu entwickeln. Dafür studierte er den Flug der Vögel und verfasste den Kodex über den Vogelflug (Codex Turin).

Entwicklung von Flugmaschinen

Er versuchte zunächst eine Flugmaschine zu bauen, mit der Menschen mit bloßer Muskelkraft Flügel bewegen könnten. Als er erkannte, dass dies aufgrund des Eigengewichts, der riesigen Flügelgröße und der notwendigen Kraft und Frequenz des Flügelschlags nicht gelingen konnte, begann er stattdessen Modelle für Segelgleiter zu entwickeln. Die Gleiter hatten Höhen und Seiteruder, waren also manövrierfähig. Das Fluggerät war für eine Person ausgelegt, die in einer waagerechten Kapsel lag, die mittig unter dem Flügel angebracht war. Also sehr ähnlich zu den heutigen Drachenfluggeräten.

Flugexperimente

Es gab auch Flugversuche. Leonardo notierte sich um 1505 auffallend pathetisch: "Zum ersten Mal wird der große Vogel sich erheben, vom Rücken des gewaltigen Schwans aus, erfüllen wird er die ganze Welt mit Staunen und alle Schriften mit seiner glorreichen Tat, zum ewigen Ruhm des Nestes, wo er geboren ward." Mit dem "Rücken des gewaltigen Schwans" ist der Schwanenberg gemeint ('Monte Ceceri'), ein Hügel bei Florenz, wo sich Leonardo um 1505 aufhielt. Der Hügel fällt zu einer Seite sehr steil ab und eignet sich daher ideal für den Start eines Segelgleiters. Heute befindet sich dort ein Gedenkstein zur Erinnerung an Leonardos Versuche.

Allerdings: Die Versuche schlugen wohl fehl. Sein langjähriger Mitarbeiter Tommaso Masini, ein Spezialist für Metalle, brach sich einige Knochen, wie Leonardo sich in einem seiner Notizbücher notierte. Grund des Scheiterns könnten fehlerhaft befestigte Materialien gewesen sein. Es ist unklar, ob weitere (erfolgreiche) Flugversuche durchgeführt wurden. Wären die Versuche erfolgreich, wäre Leonardo 300 Jahre vor Otto Lilienthal der erste Konstrukteur eines Segelfliegers gewesen.

Andere Fluggeräte

Auch einen Fallschirm hat Leonardo entworfen, der im Juni 2000 erfolgreich erprobt wurde. Ebenso entwarf Leonardo einen Helikopter (Luftschraube), der allerdings einen zu schwachen Antrieb hatte, um abheben zu können.

Leonardo da Vinci Erfindung - Bionischer Flügel
Modell für einen Flügel, Leonardo da Vinci
Die Flügel sollten mit Leder und bearbeiteten Leinen überspannt werden
Leonardo da Vinci Erfindung - Pilotenkanzel eines Fluggeräts
Modell eines Fluggeräts, Leonardo da Vinci
Die Kabine des Piloten. Die Füße befanden sich rechts unten. Die Flügel konnten unabhängig voneinander über Seilwinden bewegt werden

Kurzbiografie

1452

Geburt in Vinci

Am 15.4.1452 ­wird Lionardo di Ser Piero da Vinci in dem Dorf Vinci geboren. Leonardo war das uneheliche Kind einer Affäre des Notars Ser Piero mit dem Bauernmädchen Caterina. Kurz nach der Geburt trennten sich die beiden. Für den Vater wäre eine Ehe unstandesgemäß gewesen. Ser Piero stammte aus einer altehrwürdigen Florentiner Notarsfamilie, sein Großvater hatte es sogar zum Botschafter der Republik Florenz gebracht. Die Familie Vinci war recht wohlhabend und besaß einige Grundstücke in und um Vinci.

Noch im Jahr von Leonardos Geburt heiratet Ser Piero Leonardos Stiefmutter Albiera, die ebenfalls aus einer Notarsfamilie stammte. Leonardos Vater war sehr karrierebewusst und verbrachte wenig Zeit in Vinci. Für uneheliche Kinder war es zu der Zeit üblich, dass sie beim Vater verblieben. So wuchs Leonardo bei seinen Großeltern in Vinci auf. 

Leonardos leibliche Mutter Caterina heiratete fünf Jahre später Achattabriga, einen Bauern der Umgebung und bekam mit ihm vier weitere Kinder. Achattabriga und die Familie Vinci standen über viele Jahre in Kontakt und traten z.B. gegenseitig als Zeugen bei Immobiliengeschäften auf. Da Achattabrigas Bauernhof nur etwa 45 min zu Fuß von Vinci entfernt war, hat Leonardo seine Mutter vermutlich besuchen können. Darüber hinaus ist über Leonardos Kindheit nichts bekannt.

Vinci, der Ort in dem Leonardo da Vinci geboren wurde

1464

Florenz, Ausbildung bei Verrocchio, 12 J.

Gegen 1464 starb Leonardos Großvater, woraufhin ihn sein Vater zu sich ins nahegelegene Florenz holte. Die Handelsmetropole Florenz war eine unabhängige Republik und unterstand keinem Adelshaus. Die sehr erfolgreichen Händler der Stadt hatten zahlreiche Banken gegründet und verliehen Geld nach ganz Europa. Die Florentiner Bankiers gehörten zu den reichsten Personen jener Zeit. Obwohl die Stadt mit ihrem Umland offiziell eine Republik war, wurde sie tatsächlich von der mächtigen Bankiersfamilie Medici beherrscht. Die Medici waren beim Volk beliebt, da sie es an ihrem Reichtum teilhaben ließen. Vor allem taten sie sich als Kunstmäzene hervor und förderten zahlreiche Künstler, z.B. Donatello, Leonardo, Michelangelo und Raffael. 

Als Leonardo nach Florenz geholt wurde, war sein Vater bereits ein angesehener Notar geworden und hatte in der Stadt zahlreiche Verbindungen. So arbeitete er unter anderem direkt für die Stadtregierung von Florenz. Leonardo muss zeichnerisches Talent besessen haben, denn sein Vater konnte ihn bei dem Künstler Andrea del Verrocchio in die Ausbildung geben.

Kathedrale von Florenz
Die vergoldete Kugel auf der Kuppel ist nur als Nachbildung erhalten geblieben. Das Original fiel während eines schweren Sturms herunter und wurde zerstört

Verrocchios Werkstatt

Verrocchio war zu dieser Zeit ein europaweit bekannter Künstler, der sich vor allem in der Malerei, Bildhauerei und Architektur hervortat. Verrocchios Werkstatt zählte zu den fortschrittlichsten in Europa. Dort lernte Leonardo die in Italien noch unbekannte Ölmalerei kennen, die von den niederländischen Malern aber bereits verwendet wurde.

Zu Leonardos Lehrzeit wurde die Kuppel der Kathedrale von Florenz fertiggestellt. Auf der Kuppel befindet sich eine etwa 2m hohe vergoldete Kupferkugel, die von Verrocchios Werkstatt angefertigt wurde. Es war damals selbstverständlich, das der Künstler Verrocchio auch die Kräne und Seilzüge baute, um die Kugel auf die Kuppel zu heben. Eine später entstandene Skizze Leonardos zeigt, dass er an dieser Arbeit und den damit verbundenen Konstruktionen beteiligt war und davon zutiefst beeindruckt gewesen sein muss.

Außerdem war Verrocchio für seine Bronzestatuen bekannt. Für einen Bronzedavid aus seiner Werkstatt soll der junge Leonardo Model gestanden haben. Daneben war Verrocchios Werkstatt für die Pflege der Sammlung antiker Statuen der Medici verantwortlich. Dort lernte Leonardo viel über antike Bildhauerei.

Die Werkstatt Verrocchios war europaweit bekannt und Leonardo traf dort zahlreiche später sehr berühmte Maler, unter anderem den etwa 7 Jahre älteren Sandro Botticelli, der Verrocchio zur Hand ging.

David, Andrea del Verrocchio, 1476
Der 14-jährige Leonardo soll für den David Model gestanden haben
Geburt der Venus (Ausschnitt), Sandro Botticelli, um 1485
Leonardo und der sieben Jahre ältere Botticelli wurden zur selben Zeit in Verrocchios Werkstatt ausgebildet

1472

Florenz, Meisterprüfung, 20 J.

1472 beendet Leonardo seine Ausbildung im Meistergrad und es erfolgt seine Aufnahme in die Malerzunft "Compagnia di S. Luca" (ital. 'Lukasgilde'). Obwohl das bedeutete, dass er als selbstständiger Maler hätte tätig sein können, arbeitete er fast noch zehn Jahre für Verrocchio. Eigenständige Werke aus dieser Zeit können Leonardo nicht sicher zugeschrieben werden. Es wird vermutet, er hätte an einigen Gemälden Verrocchios aus dieser Zeit mitgewirkt.

Verrochio - Tobias und der Engel
Tobias und der Engel, Andrea del Verrocchio, um 1470–1475
Der wolkenartig gemalte Hund links unten, der Fisch in der linken Hand des Tobias und die Locken des Tobias sollen von Leonardo stammen
Andrea del Verrocchio – Taufe Christi
Taufe Christi, Andrea del Verrocchio, um 1475
Der linke Engel und Teile der Hintergrundlandschaft soll Leonardo gemalt haben

1476

Florenz, Untersuchungshaft, 24 J.

Aufgrund einer anonymen Anschuldigung in einem für diese Zwecke aufgestellten Briefkasten, wird Leonardo zusammen mit drei weiteren Personen beschuldigt mit Jacopo Saltarelli homosexuell verkehrt zu haben. Das war eine fatale Anklage und hätte Leonardos Hinrichtung bedeuten können. Leonardo wurde inhaftiert und es begann ein öffentlicher Prozess. In dessen Verlauf traten bekannte Florentiner als Leumundszeugen für Leonardo auf, unter anderem sein Lehrmeister Verrocchio. So konnten sie Leonardo gemeinsam zu einem Freispruch verhelfen. Die Anklage, der öffentliche Prozess und die Gefahr eines frühen Todes müssen auf den 24-jährigen Leonardo schockierend gewirkt haben.

Opfer einer politischen Intrige

Das es sich um eine Verleumdungsklage handelte, wird an den politischen Umständen im Florenz jener Zeit klarer. Grundsätzlich beherrschten zwar die reichen Bankiers Medici die Republik Florenz und waren beim Volk sehr beliebt. Doch wurden sie von rivalisierenden Florentiner Bankiersfamilien mit allen Mitteln bekämpft. So wurde 1478 der Bruder des Familienoberhaupts in der Kathedrale von Florenz erdolcht (Pazzi Verschwörung). In der Folge kam es zu einem Volksaufstand gegen die Verschwörer mit zahlreichen Toten. Einer der Verschwörer, Bernardo Bandini Baroncelli, wurde in Istanbul aufgespürt, nach Florenz überführt und noch mit seinen orientalischen Gewändern gehängt.

Leonardo selbst war durch seine Tätigkeiten für Verrocchio eng mit den Medici verbunden. Und auch ein weiterer Mitangeklagter Leonardos war ein Parteigänger der Medici. Lionardo Tornabuoni stammte aus der derselben Familie wie Lucrezia Tornabuoni, Mutter von Lorenzo dem Prächtigen, dem Oberhaupt der Familie Medici. Vor dem Hintergrund der Machtkämpfe in Florenz wird nun klarer, welche Absicht hinter der anonymen Anzeige steckte. Die Gegner der Medici wollten die Familie vor dem Volk in Misskredit bringen, um sie schließlich aus der Stadt verjagen zu können. Tatsächlich sollte ihnen das auch einige Jahrzehnte später für kurze Zeit gelingen. 

Der gehängte Bernardo Bandini Baroncelli, Leonardo da Vinci, 1479
Links oben hat sich Leonardo die Farben der Kleidung notiert

1476, Geburt des Bruders Antonio

Leonardo ist jetzt 24 Jahre alt. Mit der Geburt seines Halbbruders Antonio verliert Leonardo bei seinem Vater des Status des einzigen Kindes. Das hat vor allem rechtliche Folgen, da Antonio im Gegensatz zu Leonardo ehelich gezeugt wurde und damit Erbansprüche hat. Der Vater sollte über die nächsten 22 Jahre noch 11 weitere Kinder zeugen. Leonardo hatte aufgrund des Altersunterschiedes, der räumlichen Entfernung und seinen vielen Beschäftigungen kein besonders inniges Verhältnis zu den Geschwistern.

1478

Florenz, Selbsständiger Maler, 26 J.

Im Florenz jener Zeit herrschte an großartigen Künstlern kein Mangel und es gab einen hohen Konkurrenzdruck. Als Leonardos Lehrmeister Verrocchio einen großen Auftrag für eine Reiterstatue in Venedig annimmt und es deswegen absehbar wird, dass er Florenz verlässt, beginnt sich Leonardo ab 1478 von Verrocchios Werkstatt zu lösen und bemüht sich um eigene Aufträge. Er gründet eine Werkstatt mit Gehilfen, Pferden, Dienern und nimmt Schüler auf.

Der in Florenz bestens vernetzte Vater unterstützte ihn vermutlich bei der Vermittlung von ersten Aufträgen. Zu dieser Zeit entsteht das unvollendet gebliebene Gemälde "Der heilige Hieronymus". Es zeigt bereits das konsequente Bemühen um anatomische Genauigkeit. Das lässt darauf schließen, dass Leonardo bereits in Florenz anatomische Studien durchführte. Das Öffnen von Leichen war ein riskantes Unterfangen, denn das wurde als Ketzerei verstanden und war verboten. Ausschließlich medizinische Universitäten durften in nur in sehr begrenztem Umfang solche Studien durchführen.

Leonardo da Vinci - Der heilige Hieronymus
Der heilige Hieronymus, Leonardo da Vinci, um 1478-1482
Die Schulterpartie demonstriert Leonardos anatomische Kenntnisse

Harte Anfangsjahre

Ein weiteres Gemälde dieser Zeit ist die um 1481 begonnene "Anbetung der Könige“, die er für die Kirche San Donato a Scopeto, etwas außerhalb von Florenz, anfertigt. Auch dieses Gemälde blieb unvollendet. Die Vertragsbedingungen zeigen, dass Leonardo zu der Zeit jeden Auftrag annehmen musste, um über die Runden zu kommen. Für die "Anbetung der Könige" bekam er zwar wertvolles Land, durfte das aber frühestens in drei Jahren verkaufen. Außerdem musste er vorab die Hälfte des Grundstückswertes einer den Auftraggebern bekannten Witwe spenden. In der Zwischenzeit musste er aber die Farben, Gehilfen usw. aus eigenen Mitteln bezahlen. Leonardos finanzielle Situation war in dieser Zeit sicher nicht einfach. 

Leonardo da Vinci - Anbetung der Könige
Anbetung der Könige, Leonardo da Vinci, um 1481
Auch dieses Gemälde blieb unvollendet

1482

Mailand, selbstständiger Maler, 30 J.

Leonardos Anklage wegen Homosexualität, die stadtweiten Unruhen nach dem Medici Attentat, Verrocchios Umzug nach Venedig und die schlechte Auftragslage in Florenz haben Leonardo wohl veranlasst, darüber nachzudenken, Florenz zu verlassen.

Im Jahr 1482 bricht er nach Mailand auf. Es existiert ein Brief von Leonardo an Ludovico Sforza, dem damaligen Herrscher von Mailand, in dem er sich anbietet, ihm eine Reiterstatue zu bauen. Für dieses Projekt hatte der Herzog trotz langjähriger Suche noch keine geeigneten Künstler gefunden. Außerdem bot Leonardo sich dem Herzog als Kriegsingenieur an. Ob der Brief tatsächlich abgeschickt wurde, ist jedoch unklar.

In einer anderen Version zum Grund des Aufbruchs nach Mailand hat Leonardo eine florentinische Gesandschaft begleitet, um dem Herzog ein selbstgebautes Musikinstrument als Geschenk zu überreichen. Möglicherweise hatte Leonardo auch einen gutbezahlten Auftrag in Mailand in Aussicht.

Felsgrottenmadonna – Das erste Meisterwerk

Sicher ist, das Leonardo jedenfalls nicht sofort für den Mailänder Herzog arbeitet. Er beginnt zunächst als selbstständiger Maler und fertigt im Auftrag der Bruderschaft der unbefleckten Empfängnis mit der Felsgrottenmadonna das erste zweifelsfrei echte Leonardo-Gemälde. Das Gemälde war für diese Zeit von bahnbrechender Eleganz und wurde als so außergewöhnlich schön betrachtet, dass sich schnell andere Interessenten dafür fanden. Daher wurde es kurz nach der Fertigstellung, statt es wie vorgesehen an die Mönche auszuliefern, an einen heute unbekannten Privatmann für ein weit höheres Gebot verkauft. Es folgte ein jahrzehntelanger Rechtsstreit mit den Mönchen, der schließlich dazu führte, dass etwa 25 Jahre später, eine zweite, leicht veränderte, Version der Felsgrottenmadonna angefertigt wurde, die die Mönche als Entschädigung erhielten.

Leonardo da Vinci – Felsgrottenmadonna
Felsgrottenmadonna, 1483-1486, Leonardo da Vinci
Ein Gemälde dieser Qualität war in der italienischen Malerei nie zuvor gesehen worden

1485, Die Pest in Mailand

Mailand gehörte im 15. Jh. mit ungefähr 100.000 Einwohnern zu den fünf größten Städten Europas. Die Stadt war dicht bebaut und die hygienischen Zustände mangelhaft. Ratten waren allgegenwärtig. 1485 kommt es dann in Mailand zu einer großen Pestepidemie mit vielen Toten. Die Panik ist groß und es kommt nicht selten vor, dass Erkrankte in ihren Häusern eingemauert werden, um die todbringende Krankheit einzudämmen.

Unter diesem Eindruck beginnt Leonardo Überlegungen zu einer idealen Stadt. Dabei geht es ihm vor allem darum, die Stadt durch ein ausreichendes Kanalisationssystem und eine Regelung zur Müllabfuhr sauberer zu machen.

Straßen in einer idealen Stadt, Pariser Manuskripte (Manuskript B, folio 16r)
Hier ist zu sehen, dass Leonardo die Wege für Spaziergänger (oben) und Pferdewagen (unten) trennen wollte

1487

Mailand, Hof des Herzogs, 35 J.

1486 waren die Arbeiten an der Felsgrottenmadonna abgeschlossen. Daraufhin, möglicherweise auch schon vorher, wurde Leonardo gegen 1487 Mitglied des Mailänder Hofstaats.

Der Herrscher von Mailand war Ludovico Sforza, ein skrupelloser Politiker, dem zum Machterhalt jedes Mittel recht war. Rechtlich gesehen nur Regent für seinen noch minderjährigen Neffen Galeazzo, wurde Ludovico nach dessen überraschenden Tod 1494 rechtmäßiger Herzog von Mailand. Die Umstände des Todes von Galeazzo wurden nie aufgeklärt. Vermutlich wurde er vergiftet, als er Thronansprüche geltend machte. Möglicherweise starb er auch an einer unbekannten Krankheit.

Ludovico Sforza geriet 1494 in einen ersten Krieg mit Frankreich, den er mit internationaler Unterstützung gewinnen konnte. Eine zweiten Angriff Frankreichs im Herbst 1499 hatte der Herzog nichts mehr entgegenzusetzen und er musste aus Mailand fliehen. Mit Hilfe von Schweizer Söldnern konnte er im Frühjahr 1500 für wenige Monate an die Macht zurückkehren, wurde aber verraten und geriet in französische Gefangenschaft. Er starb 1508 in Kerkerhaft.

Sforza-Altar
Sforza Altar (Ausschnitt), unbekannter Meister, 1494
Eine der wenigen Abbildungen Ludovico Sforzas. Hier mit seiner Ehefrau Beatrice d‘Este und seinen zwei Söhnen. Der ältere Sohn (links) stammt von seiner Mätresse Cecilia Gallerani

Leonardos Waffen für Ludovico Sforza

Die Jahre von Ludovicos Herrschaft waren geprägt von der Angst vor einer französischen Invasion, da die französischen Könige sich zunehmend in der italienischen Politik engagierten. In dieser Situation brauchte Ludovico fähige Kriegsingenieure, die neuartige Waffen oder Taktiken entwickelten, um seine Feinde zu besiegen.

Es verwundert daher nicht, dass Leonardo auch in seinen zivil nutzbaren Geräten stets den militärischen Nutzen hervorhob, um sich beim Herzog beliebt zu machen. Bereits in seinem (möglicherweise nie abgeschickten) Bewerbungsbrief für den Mailänder Hof hatte Leonardo seine Fähigkeiten als Kriegsingenieur betont. Er preiste seine Fähigkeit an, leicht aufzubauende Brücken herzustellen und hob hervor, dass er Belagerungswaffen, Kanonen, Bombarden und Panzer aller Art bauen könne und sich auch in der Seekriegsführung gut auskenne.

Leonardo da Vinci - Zeichnung einer selbsttragenden Brücke
Die Leonardo Brücke,
Dafür müssen nur Äste in dieser Art übereinander gelegt werden. Seile, Nägel oder Leim sind nicht notwendig
Durch Anbohren von Befestigungen mit Holzwänden konnten auf diese Weise Leitern entstehen
Leonardo da Vinci – Zeichnung eines Panzers
Leonardos Panzer
Leonardo da Vincis Erfindungen – Zeichnung eines U-Boots
Leonardos U-Boot

Bekanntschaft mit Bramante

Leonardo trat nie mit einem großen architektonischen Entwurf in Erscheinung. Zwar bemühte sich Leonardo um prestigeträchtige Aufträge, wie den Entwurf und die Ausführung der Kuppel des Mailänder Doms, doch wurde er von der verantwortlichen Bauhütte abgelehnt. Auch wenn es weniger bedeutende Beispiele für Leonardos Wirken als Architekt gibt (Doppeltreppe, Schloss Chambord), tat sich Leonardo in der Architektur nicht sonderlich hervor. Vielmehr trat er als Bauwissenschaftler, Gutachter und ausführender Bauingenieur in Erscheinung.

Donato Bramante hingegen war ein vielbewunderter Architekt, der bereits seit 1476 am Mailänder Hof tätig war. Als sein größter Entwurf gilt der heutige Petersdom, der ab 1506 in Rom gebaut wurde. Nach seinem Tod 1514 führte Raffael die arbeiten fort, Jahrzehnte später war Michelangelo verantwortlich für die Großbaustelle.

Leonardo und Bramante kannten einander gut, es sind Briefe erhalten, die auf eine enge Zusammenarbeit schließen lassen. Inwiefern Leonardo Einfluss auf Bramante hatte oder umgekehrt ist hinsichtlich der beiden Künstlern eigenen Liebe zur Geometrie schwer zu sagen. Es lässt sich jedoch nicht übersehen, dass Leonardos bevorzugte Entwürfe eben jene Kuppelsilhouetten zeigen, die heute noch typisch für den Petersdom ist, d.h. Bramantes ursprünglicher Idee entspricht. 

Kuppelbau, Pariser Manuskripte B (folio 24r), Leonardo da Vinci
Die Form dieses Entwurfs erinnert stark an den Petersdom. Bramante hatte ursprünglich wie hier vor, einen länglichen Anbau hinzuzufügen
Kuppelbau, Pariser Manuskripte B (folio 22r), Leonardo da Vinci
Leonardo bevorzugte den Zentralbau, das heißt die vier Ecken des Grundrisses sollten in einen Kreis eingepasst sein
Kuppelbau, Pariser Manuskripte B (folio 22r), Leonardo da Vinci
Leonardo zeichnete etliche Varianten, die sich grundsätzlich sehr ähneln
Petersdom, Rom
Der zugrundeliegende Entwurf für den Neubau stammte von Bramante. Er überwachte die 1506 begonnenen Bauarbeiten. Nach seinem Tod folgte ihm Raffael. Zwei Jahrzehnte später wurde Michelangelo deren Nachfolger

1488, Das Reiterstandbild der Sforzas

1488 beginnt Leonardo mit Studien und Entwürfen zu dem Reiterstandbild für Francesco Sforza, dem Vater von Ludovico. Zunächst entwickelt er einen Entwurf mit einem sich aufbäumenden Pferd, verwirft diesen dann aber, da ein solches Modell im Bronzegussverfahren schwer auszubalancieren wäre und umstürzen könnte. Stattdessen orientiert sich Leonardo an zeitgemäßen Skulpturen dieser Art, nur soll seine Reiterstatue die größte der damaligen Welt werden. Das Pferd sollte vom Boden bis zum Kopf eine Höhe von sieben Metern haben. In welcher Art Leonardo Francesco Sforza darstellen wollte, ist anhand der erhalten gebliebenen Zeichnungen nicht mehr genau zu bestimmen.

Nachdem Ludovico Sforza zwischendurch Zweifel gekommen waren, ob Leonardo der richtige für den Auftrag wäre und er sich bereits nach Alternativen erkundigt hatte, wurde 1494 das originalgetreue Gipsmodell enthüllt, dass als Vorlage für die Gussform dienen sollte. Für den Guss wurde die damals enorme Menge von 70t Bronze herangeschafft. Allerdings brach 1495 ein Krieg mit Frankreich aus und die Bronze wurde kurzfristig für Kanonen zweckentfremdet. Bei der Einnahme Mailands durch die Franzosen wurde Leonardos Gipsmodell 1499 durch randalierende Truppen zerstört.

Cavallo Leonardo, Mailand
Cavallo Leonardo, Mailand (originalgetreue Replik nach Skizzen Leonardos)
Größenvergleich mit einem ca. 1,80m großem Mensch (vertikaler weißer Streifen am rechten Bildrand)

1489, Umzug in den Corte Vecchia

Leonardos Stellung am Mailänder Hof festigt sich. Ludovcio zahlt ihm ein großzügiges Gehalt. Leonardo wird in Mailand recht vermögend. Allerdings erfolgen die Zahlungen nicht regelmäßig, so dass Briefe Leonardos erhalten sind, in denen er sich beschwert, dass er noch den Lohn von zwei Jahren zu bekommen habe.

Um Platz für die Arbeiten an der Reiterskulptur zu haben, stellt Ludovico Sforza Leonardo Räume im Corte Vecchia (ital. 'alter Hof') zur Verfügung. Der Palast der ehemaligen Herrscherfamilie Visconti hatte einen großen Innnenhof, der von außen nicht eingesehen werden konnte, also ideal zum Erproben von Maschinen, die noch nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt waren. Neben Leonardo wohnte zeitweise auch der Neffe Ludovicos dort, Gian Galeazzo Sforza, der eigentlich rechtmäßige Herzog von Mailand. Der Palast ist heute nicht mehr erhalten.

1490, Porträt der Cecilia Gallerani

Ludovico Sforza war der uneingeschränkte Herrscher von Mailand. Das zeigt sich auch in seinen Beziehungen zu Frauen. Ihnen gegenüber verhielt er sich rücksichtslos. Seine hochadelige Ehefrau Beatrice d'Este heiratete er 1491, während seine Mätresse Cecilia Gallerani von ihm im fünften Monat schwanger war. Auch nach der Hochzeit lebte die hochschangere Cecilia noch einige Monate am Hof, was für die frisch verheiratete Beatrice sehr demütigend gewesen sein muss.

Dame mit dem Hermelin – Leonardo da Vinci
Dame mit dem Hermelin, Leonardo da Vinci, um 1490
Das Gemälde zeigt Cecilia Gallerani, eine Mätresse des Herzogs

1490, La Festa del Paradiso

Am 23.1.1490 findet am Hof von Ludovico Sforza die von Leonardo inszenierte "Festa del Paradiso" statt (ital. 'Paradiesfest'). Das Fest wurde so legendär, dass Leonardo es 25 Jahre später für den französischen König erneut inszenieren musste. Anlass des Festes war die ein Jahr zuvor geschlossene Ehe zwischen Isabella de Aragón und dem noch minderjährigen Gian Galeazzo Sforza, rechtmäßiger Herzog von Mailand. Von dem Fest selbst sind nur sehr wenige Details überliefert.

Das Fest war angelegt als ein gewaltiges Theaterstück. Die Gäste wurden in einer vorgegebenen Reihenfolge zu ihren Plätzen geführt. Alle Diener waren als Sterne verkleidet. Den Raum dominierte eine große Bühne, die sich anfangs hinter einem Satinvorhang verbarg. Bei Einbruch der Dämmerung sprach ein Engel und es fiel der Vorhang zu den Klängen eines Chores. Dahinter erstrahlte auf einer wunderbar gestalteten Bühne ein glänzendes Paradies aus zahlreichen Lichtern.

Es erschienen die sieben Planeten der sieben Wochentage als Götter personifiziert. Sie standen auf einer gewaltigen Maschine, die sie wie in einem Riesenrad bewegte. Jupiter in der Mitte, um ihn herum Merkur, Venus, Mars, Saturn, Apollon als Sonne und Diana als Mond. Die jugendlich schönen Darsteller standen in einer halboffenen Kugel und waren vollständig mit weißer Farbe bemalt und mit nur wenigen weißen Stoffen verhüllt, dazu hielten sie eine große, weiße Wachskerze und das jeweilige Attribut der Götter, die sie repräsentierten. Jedes Mal, wenn sich ein Planet der Braut Isabella näherte, trat der betreffende göttliche Wesen aus der Kugel hervor und sang die vom Hofdichter Bellincioni gedichteten Verse. Diese Verse waren göttliche Loblieder auf die Vermählten. Die Venus preiste die Schönheit der Braut und Apollon ihre Begabungen. Zu den Versen tanzten anmutige Grazien. Schließlich verließ die Braut das Fest auf einem Weg aus Kerzen, die nach und nach hinter ihr erlöschten.

Das Paradiesfest ist nicht das einzige Fest das Leonardo organisierte. Aus seinen Notizbüchern ist bekannt, dass er mechanische Löwen, aufziehbare Automobile und einen mechanischen Ritter entwarf. Leonardos Erfindungen dieser Art sollten das Publikum erheitern und in Erstaunen versetzen.

Kostüme für ein phantastisches Fest, Leonardo da Vinci

1494, Tod der Mutter

Im Sommer 1493 notiert sich Leonardo, dass seine Mutter Caterina nach Mailand gekommen ist. Warum sie nach Mailand kam, ist nicht bekannt. Vier Jahre zuvor war ihr Mann gestorben, möglicherweise konnte sie daraufhin ihren Bauernhof nicht mehr allein bewirtschaften. Sie stirbt das Jahr darauf am 26.6.1494 an Wechselfieber (Malaria). Sie wurde etwa 67 Jahre alt.

1495, Das Letzte Abendmahl

Obwohl die Felsgrottenmadonna bereits als Meisterwerk betrachtet wurde, war das Gemälde international wenig bekannt. Das letzte Abendmahl galt schließlich als der Durchbruch, der europaweit Leonardos Ruf als Meistermaler begründete. Das Wandgemälde gefiel dem damaligen französischen König Ludwig XII. sogar so gut, dass er prüfen ließ, ob es nach Frankreich verbracht werden könne.

Das mit Abstand größte der Leonardo Gemälde ­wurde von Ludovico Sforza beauftragt und sollte den Speisesaal der Mönche in der soeben fertiggestellten Mailänder Kirche Santa Mairia delle Grazie zieren. Leonardos Ölmalerei war aber für den feuchten Raum nicht die geeignete Technik und so begann das Gemälde rasch zu verfallen. Bereits zwanzig Jahre später berichteten Zeitzeugen, dass das Gemälde kaum noch zu erkennen sei. Heute wird geschätzt, dass nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Pigmente vorhanden sind, was aber durch den unermüdlichen Einsatz der Restauratoren so gut wie möglich kaschiert wird. Die zugemauerte Tür am unteren Bildrand wurde erst 1652 eingezogen, ein Teil des Gemäldes dabei dabei zerstört. 

Das letzte Abendmahl mit umgebender Architektur – Leonardo da Vinci
Das letzte Abendmahl, Leonardo da Vinci, 1495-1498
Das Gemälde ist das einzige Wandgemälde, das Leonardo vollendete. Es ist zugleich das mit Abstand größte Gemälde, das er malte. Die Lünetten über dem Gemälde wurden auch von Leonardo gemalt. Sie zeigen die Wappen der Familie Sforza

1497, Das Porträt La Belle Ferroniere

1497 starb Ludovicos Ehefrau Beatrice bei der Geburt ihres dritten Kindes. Der Herzog gab sich zwar in großer Trauer, doch die Hofdame seiner verstorbenen Ehefrau, Lucrezia Crivelli, gebar ihm nur zwei Monate später den ersten von zwei weiteren Söhnen. Das Porträt La Belle Ferroniere zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit Lucrezia Crivelli.

La Belle Ferroniere – Leonardo da Vinci
La Belle Ferronière, um 1490-1499, Leonardo da Vinci
Das Gemälde zeigt mit der Hofdame seiner Ehefrau Beatrice, Lucrezia Crivelli, eine weitere Mätresse des Herzogs

1498, Bekanntschaft mit Luca Pacioli

Um 1498 kommt Luca Pacioli an den Hof des Mailänder Herzogs. Pacioli war ein bedeutender Mathematiker und Humanist. Er schrieb ein sehr einflussreiches Buch über den goldenen Schnitt, "Divina Proportione" (ital. 'Göttliche Proportion', vollendet 1498, veröffentlicht 1509), das Leonardo in Teilen illustrierte. Außerdem ein Werk mit einer Zusammenfassung der Arithmetik seiner Zeit. Sein bekanntestes Werk aber ist das über die doppelte Buchführung. Pacioli hat die doppelte Buchführung zwar nicht erfunden, aber sein erklärendes Buch verbreitete sich rasch und machte das Prinzip europaweit bekannt. 

Pacioli und Leonardo verband über die Liebe zur Mathematik hinaus auch die Liebe zur Malerei. Pacioli war ein Schüler des malenden Mathematikers Piero della Francesca. Francescas Gemälde "Pala Montefeltro" zählt zu den schönsten Werken der Frührenaissance. Er war ein Pionier in der korrekten Anwendung der Perspektive und verfasste dazu wissenschaftliche Abhandlungen, die zum Teil unverändert in Paciolis Divina Proportione übernommen wurden. Pacioli selbst trat nicht als Maler in Erscheinung. Bemerkenswert ist, das er, wie Leonardo, seine Schriften nicht wie damals üblich in Latein verfasste, sondern im üblichen italienisch. Er wollte damit sicher den Kreis der Leserschaft erhöhen. Vermutlich war ihm die langfristige Wirkung des soeben entwickelten Buchdrucks bewusst.

Leonardo da Vinci - Divina Proportione, Kugel
Kugel, Illustration 41 zu Paciolis Buch "Divina Proportione", Leonardo da Vinci
Leonardo da Vinci – Dodekaeder für Luca Paciolis Buch Divina Proportione
Dodekaeder, Illustration 28, Die skelettförmige Darstellung ist eine Erfindung Leonardos
Leonardo da Vinci – Ikosaeder für Luca Paciolis Buch Divina Proportione
Ikosaeder, Illustration 22
Leonardo da Vinci – Oktaeder für Luca Paciolis Buch Divina Proportione
Oktaeder, Illustration 16
Leonardo da Vinci – Tetraeder für Luca Paciolis Buch Divina Proportione
Tetraeder, Illustration 2
Leonardo da Vinci – Würfel für Luca Paciolis Buch Divina Proportione
Würfel, Illustration 8

Der Vitruvianische Mensch

Im Zusammenhang mit Paciolis Buch über den goldenen Schnitt steht Leonardos Vitruvianischer Mensch. Er ist nach dem antiken Architekten Vitruv benannt. Vitruv schrieb ein Buch über Architektur, in dem er unter anderem empfiehlt die Proportionen von Gebäuden an den Proportionen von Menschen auszurichten. Zur Erklärung fügt er ein System aus Proportionen des Menschen bei, etwa dass die Höhe des Menschen durch Kopfende, Brusthöhe, Hüfthöhe, Knie und Fußende in vier gleichgroße Längen geteilt wird.

Pacioli übernimmt diese Ausführungen Vitruvs wörtlich. Ebenso ist Leonardos Vitruvianischer Mensch mit Vitruvs Regeln beschriftet. Es ist daher denkbar, das der Vitruvianische Mensch ebenso als Illustration für Paciolis Buch gedacht war, wie Leonardos geometrische Figuren.

Vitruvianischer Mensch – Leonardo da Vinci
Der Vitruvianische Mensch, Leonardo da Vinci

1500

Wanderjahre, Suche nach Auftraggebern, 48 J.

Im Frühjahr 1500 endet die Herrschaft Ludovico Sforzas mit dem Einmarsch der Franzosen in Mailand. Leonardo hat dem Herzog mehr als zehn Jahre gedient und stand nun ohne Dienstherren da.

 

1499, als Leonardo 47 Jahre alt war, wurde das Herzogtum Mailand von den Franzosen besetzt, und der Herzog von Mailand floh. Damit verlor Leonardo seinen Auftraggeber. Er erhielt zwar weiterhin Zahlungen von französischen Gönnern, verließ Mailand aber.

Über die folgende Zeit ist kaum etwas bekannt. Es wird vermutet, dass er auf der Suche nach neuen Dienstherren durch die Herzogtümer und Republiken Norditaliens zog. Er soll sich über 1-2 Jahre in Rom, Neapel, Mantua und Venedig aufgehalten haben, bevor er schließlich nach Florenz zurückkehrte.

Hier trat er 1502 in die Dienste von Cesare Borgia, der Sohn des Papstes und Befehlshaber der päpstlichen Armee. Er begleitete diesen vermutlich ein Jahr lang bei seinen Feldzügen und Reisen und unterstützte ihn dabei in der Planung von Festungen, der Stadtplanung und dem Erstellen von Landkarten.

1503 erhielt Leonardo von der florentinischen Stadtregierung den Auftrag zu dem Gemälde "Die Schlacht von Anghiari“. Das Wandgemälde war für den Palazzo Vecchio geplant, dem Sitz des florentinischen Parlaments und sollte an einen großen militärischen Sieg der Republik Florenz erinnern. Dieser Auftrag war wohl als Künstlerwettbewerb angelegt, denn auch der ebenfalls sehr berühmte Künstler Michelangelo erhielt einen Auftrag im selben Saal, an der gegenüberliegenden Wand, ein Gemälde zu einer anderen bedeutenden Schlacht, der "Schlacht bei Cascina" zu malen. Beide Arbeiten waren wegen Wandnässe von erheblichen technischen Problemen begleitet und wurden nicht vollendet. Heute sind davon nur noch vorbereitende Studien erhalten. Legendär ist die Abneigung, die die beiden Künstler  füreinander empfunden haben sollen.

Auch begann Leonardo zu dieser Zeit die Arbeiten an der "MONA LISA". Es ist bis heute unklar, in wessen Auftrag er das Gemälde anfertigte.

Er erlebte dann 1504 den Tod des Vaters, der in Florenz unweit des Palazzo Vecchio stirbt, wie Leonardo in seinen Notizen vermerkt. In der Folge entsteht ein Streit ums Erbe und Leonardo geht als unehelicher Sohn leer aus. Das hat ihn vermutlich getroffen, denn als 1507 Francesco stirbt, der Bruder seines Vaters, macht Leonardo seinen internationalen politischen Einfluss auf die Florentiner Stadtregierung geltend, um seinen Erbanspruch gegenüber den Geschwistern durchzusetzen.

1506

Mailand, 54 J.

1506 kehrte Leonardo auf Bitten des französischen Statthalters Charles II. d’Amboise nach Mailand zurück, und pendelte in der Folge zwischen Florenz und Mailand umher. Er intensivierte seine anatomischen Studien und arbeitete eng mit der medizinischen Fakultät der Universitäten in Pavia und Padua zusammen.

Der dortige Professor Marcantonio della Torre sezierte und Leonardo fertigte Zeichnungen dazu an. Beide planten eine Buch über die Anatomie zu veröffentlichten. Dieses Vorhaben wurde aber durch den frühen Tod des Professors vereitelt. Die hierbei entstandenen Zeichnungen und daraus gewonnenen anatomische Erkenntnisse stellen eine weitere bedeutende Leistung im Leben des Leonardo da Vinci dar.

Spätestens 1508 stellte Leonardo das Pendeln zwischen Florenz und Mailand ein und ließ sich wieder in Mailand nieder. Hier begann er mit den Arbeiten an seinem Gemälde "Anna Selbdritt". Für den französischen Statthalter von Mailand Charles II. d’Amboise war er nun, wie auch schon für dessen Vorgänger, den Mailänder Herzog, als Architekt, Ingenieur und Hofkünstler tätig. Auch für den Franzosen sollte er erneut ein gewaltiges Reiterdenkmal konstruieren.

Die Statue war anlässlich des Sieges der Franzosen über das Herzogtum Mailand geplant und sollte den siegreichen Heerführer Gian Giacomo Trivulzio zeigen. Bevor die Planungen abgeschlossen wurden, konnten die Sforzas 1512 das Herzogtum Mailand wieder einnehmen. Ludovico Sforza, der ehemalige Herzog von Mailand, war zwar in Frankreich im Kerker, doch sein Sohn trat nun seine Nachfolge an. Dieser wollte Leonardo nicht weiter als Mäzen unterstützen.

Leonardo verblieb einige Zeit im Haus seines adeligen und wohlhabenden Mailänder Schülers Francesco Melzi. Er verließ Mailand dann aber endgültig, als er dem Ruf der Familie Medici nach Rom folgte.

1513

Rom, Am päpstlichen Hof, 61 J.

Im Frühjahr 1513 wird mit Leo X. zum ersten Mal ein Mitglied der Medici Familie Papst. Der Bruder des Papstes, Giuliano di Lorenzo de’ Medici, war ein ausgesprochener Kunstmäzen. Als Leonardo angeboten wird, Mitglied des päpstlichen Hofes zu werden, verlässt er Mailand und bricht nach Rom auf.

Leonardo bezog mit seiner Werkstatt und ihren Angehörigen mehrere Räume im Belvedere des Vatikan (heute Vatikanisches Museum), die Giuliano de' Medici extra für ihn herrichten ließ. Zu Leonardos Aktivitäten in Rom ist nur wenig bekannt. Vermutlich war er daran beteiligt, die pontinischen Sümpfe trockenzulegen, um die Malaria zu bekämpfen und Ackerland zu gewinnen. Seine Aufzeichnungen aus dieser Zeit zeigen zahlreiche physikalische Experimente, vor allem zu dem Zusammenhang von Kraft, Geschwindigkeit, Weg und Zeit. Hierfür untersuchte er zum Beispiel schiefe Ebenen, um die Wirkung von Kräften im freien Fall zu untersuchen.

Es sind auch mehrere Briefe an Giuliano de' Medici bekannt, in denen Leonardo sich über die Faulheit angereister deutscher Spiegelmacher beschwert, die ihn bei der Fertigung eines Hohlspiegels zur astronomischen Beobachtung unterstützen sollten. Es ist nicht bekannt, ob das Teleskop trotz der Schwierigkeiten gebaut werden konnte. Es wäre das erste leistungsfähige Teleskop gewesen. Die Pläne zur Herstellung der Spiegel sind erhalten geblieben.

Johannes der Täufer – Leonardo da Vinci
Johannes der Täufer, Leonardo da Vinci, 1513-1519
Leonardos letztes Gemälde zeigt den Schutzpatron von Florenz. Die darin enthaltene Symbolik verweist unter anderem auf den Stolz der Florentiner

Leonardo widmete sich intensiver als je zuvor den Methoden zum Auftrag und der Haltbarmachung von Ölfarben. Wahrscheinlich begann er dort die Arbeiten an seinem letzten Gemälde "Johannes der Täufer". Außerdem entstanden mehrere Skizzenblätter mit sehr dramatischen Darstellungen der Sintflut. Es ist für Leonardo sehr ungewöhnlich dieses spezielle Thema in so kurzer Zeit so häufig zu variieren.

Darstellungen von einer Sintflut, Leonardo da Vinci, nach 1513

1516

Amboise, Maler des Königs, 64 J.

Leonardo verlässt Rom und bricht auf zum Königshof nach Amboise in Nordfrankreich. Das Schloss in Amboise war zu der Zeit der Hauptsitz des französischen Königs Franz I. Der König stellt Leonardo dort das Schloss Clos Lucé zur Verfügung und zahlt ihm und seinen beiden Schülern Francesco Melzi und Salai ein üppiges Gehalt. 

Obwohl Leonardo den Titel "Maler des Königs" trägt, entsprechen seine Aufgaben am Hof seinen weitreichenden Kenntnissen. Er entwarf abermals ein großes Reiterstandbild, das aber nicht mehr realisiert wurde und wirkte als kreativer Kopf für die phantastischen Hoffeste. Weiterhin fungierte er als technischer Berater, kümmerte er sich um ein Kanalisationsprojekt in Sologne und überwachte die Arbeiten an einem königlichen Palast in Romorantin.

1517 entstand der letzte Zeitzeugenbericht zum lebenden Leonardo. Der Schreiber Antonio de Beatis besuchte Leonardo im Gefolge einer italienischen Delegation, die Europa bereiste. De Beatis berichtet Leonardo wirke greis und könne seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Daraus wird häufig geschlossen Leonardo hätte einen Schlaganfall gehabt und dadurch Lähmungen erlitten. Allerdings war Leonardo Linkshänder und könnte deswegen seinen rechten Arm auffällig wenig bewegt haben. De Beatis erwähnt auch vier Gemälde Leonardos die er dort sah. Vermutlich handelte es sich um "La Belle Ferroniere", "Mona Lisa", die "Anna selbdritt" und "Johannes der Täufer".

Die letzte datierte Notiz Leonardos schreibt er am 24.6.1518, dem Johannistag. Er verließ die Bauarbeiten am königlichen Palast in Romorantin und ginge nun nach Schloß Cloux.

1519

Tod Leonardos, 67 J.

Leonardo starb am 02.05.1519 in seinem Schloss Clos Lucé (auch Schloss Cloux genannt). Über die Todesursache ist nichts bekannt. 

Leonardos Beerdigung

Leonardos Tod kam nicht unerwartet, da er einige Wochen zuvor sein Testament gemacht hat. Darin bestimmte er den Ablauf seiner Beerdigung.

  • Leonardo wollte in der Kirche Saint-Florentin in Amboise beerdigt werden. Die Kirche ist benannt nach dem heiligen Florentin. Der Name Florentin leitet sich ab vom lateinischen Verb florens ('blühend'), so wie auch der Name seiner Heimatstadt Florenz 'die Blühende' bedeutet. Das Wappen von Florenz ist eine blühende Lilie
  • in den vier Kirchen des Königssitzes von Amboise sollen vor der Beerdigung drei feierliche und dreißig stille Messen gehalten werden
  • Leonardos Sarg soll dann vom Schloss Cloux zu der Kirche Saint-Florentin von den Kaplänen dieser Kirche getragen werden
  • der Sarg soll begleitet werden von 60 Armen, die je eine große Kerze tragen, sowie von Vertretern der drei anderen Kirchen des Ortes
  • die sechzig Kerzen sollen dann zu gleichen Teilen auf die vier Kirchen des Ortes verteilt werden, also 15 Kerzen je Kirche

Leonardo wurde im Kreuzgang der Kirche Saint-Florentin beigesetzt. Sein Grab wurde in den Hugenottenkriegen (1562-1598) zerstört. Seine Überreste gelten seitdem als verschollen. Die Kirche Saint-Florentin aber ist erhalten geblieben. 

Leonardos Kunstwerke und Gemälde gingen in der Folge in den Besitz des französischen Königs über. Leonardos Manuskripte und Gerätschaften erbte sein langjähriger Schüler Francesco Melzi. Leonardos Vermögen ging an seine Diener, Schüler und Geschwister.

Tod des Leonardo da Vinci – Jean Auguste Dominique Ingres
Der Tod des Leonardo da Vinci, 1818, Jean Auguste Dominique Ingres

Quellen

Frank Zöllner, Leonardo, Taschen (2019)

Martin Kemp, Leonardo, C.H. Beck (2008)

Charles Niccholl, Leonardo da Vinci: Die Biographie, Fischer (2019)

Besonders empfehlenswert

Marianne Schneider, Das große Leonardo Buch – Sein Leben und Werk in Zeugnissen, Selbstzeugnissen und Dokumenten, Schirmer/ Mosel (2019)

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