Leonardo da Vinci bewarb sich 1482 mit seinem berühmten Brief an Ludovico Sforza als Hofingenieur und Hofkünstler für den Mailänder Hof. Darin empfahl er sich fast beiläufig und erst am Schluss des Briefes für die Realisierung eines Reiterstandbildes.
"Ich beschäftige mich auch mit Skulpturen in Marmor, in Bronze und in Erden [Terrakotta]; ebenso fertige ich Gemälde, alles was man will. Ich würde auch an einer Reiterstatue in Bronze arbeiten können, welche zum unsterblichen Ruhme und ewiger Ehre, also auch zur glücklichen Erinnerung Eurer Herrlichkeit Vaters und des fürstlichen Hauses Sforza errichtet werden soll."
Die Zweifel des Herzogs
Die Planungen zu der Statue wurden immer konkreter und der Herzog erteilte Leonardo um 1488 den Auftrag. Ihm kamen jedoch kurz darauf Zweifel an Leonardos Qualifikationen auf, und er ließ im Juli 1489 ein geheimes Schreiben an Lorenzo de' Medici aufsetzen, Leonardos ehemaligen Mäzen in Florenz.
"[...] Herr Ludovico will seinem Vater ein würdiges Grabmal bereiten und hat in der Zwischenzeit Leonardo da Vinci beauftragt, ein Modell anzufertigen. Es handelt sich um ein überdimensional großes Bronzepferd, auf dem Herzog Francesco in voller Rüstung sitzt. Und da Seine Durchlaucht, der Herzog, eine Sache von höchstem Rang ausführen will, hat er mir aufgetragen, Euch in seinem Namen zu schreiben, dass er wünscht, dass Ihr einen oder zwei Meister schickt, die für diese Arbeit geeignet wären. Und obwohl Seine Durchlaucht den Auftrag bereits an Leonardo da Vinci vergeben hat, scheint es mir nicht so, dass er sich für die Ausführung besonders empfiehlt [...]".
Durchführung des Projekts
Doch es fand sich kein anderer für das Projekt, zumindest behielt Leonardo den Auftrag. Aufgrund ihrer enormen Höhe von 7m stellte die Statue allein wegen der tragenden Konstruktion eine Herausforderung dar. Leonardo fertigte mehrere Entwürfe an. Eine erste Version mit einem sich aufbäumenden Pferd wurde wegen der schwierigen Ausbalancierung verworfen. Vermutlich war diese Änderung am Entwurf der Moment, in dem Ludovico Sforza Zweifel an Leonardos Eignung für das Projekt aufkamen.
Eine zweite Version zeigte dann nur noch ein trabendes Pferd, was leichter zu realisieren war. Typisch für Leonardo zeigt diese Version dennoch eine herausfordende Besonderheit. Das Pferd steht nicht, wie bei den zeitgenössischen Vorbildern, auf drei Beinen, sondern nur auf zwei. Das erhöht den Realismus der Darstellung enorm und verleiht der Skulptur eine dynamischere Erscheinung, macht es aber auch schwieriger die Skulptur so auszubalancieren, dass sie nicht umkippt. Das, und die Größe des Standbildes zeigen, dass Leonardo etwas nie zuvor dagewesenes Schaffen wollte.
Leonardo erarbeitete in der Folge konkrete Pläne zur Durchführung des Bronzegussverfahrens. 1494 schließlich wurde ein vorbereitendes Gipsmodell in Originalgröße angefertigt und öffentlich ausgestellt. Das 7m große Gipsmodell war für den Guss unbedingt notwendig. Zahlreiche YouTube Kurzdokumentationen zeigen an modernen Beispielen die einzelnen Schritte des aufwändigen Bronzegussverfahrens.